Manipulierte Mäuse-Erinnerungen
Forscher um den japanischen Nobelpreisträger Susumu Tonegawa arbeiten am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA) daran, die Erinnerungen von Mäusen zu manipulieren. In einem ersten Schritt gelang es ihnen, Zellnetzwerke auszumachen, in denen eine angstbesetzte Erinnerung gespeichert war. Dann aktivierten sie diese Zellen mithilfe der Optogenetik. Dabei implantierten sie eine Glasfaser in das Gehirn der Tiere, durch die sich die Neuronen mit einem Lichtimpuls an- und ausschalten ließen. Prompt verhielten sich die Mäuse bei der Aktivierung ängstlich.
In einem zweiten Versuch verknüpften die Mäuse zunächst eine positive Erinnerung mit einem Ort. Die Forscher reaktivierten diese Erinnerung, wenn sich die Mäuse an einem anderen Ort befanden, und verabreichten ihnen zudem elektrische Schläge. An den ersten Ort zurückgekehrt, fürchteten sich die Mäuse nun auch dort, obwohl sie dort nie schlechte Erfahrungen gemacht hatten.
In einer dritten Studie gelang es, die Färbung der Emotionen im Mäusegedächtnis umzukehren: Aus guten Erinnerungen wurden schlechte und umgekehrt. Zuerst erhielten die Mäuse an einem Ort einen schwachen elektrischen Schlag. Am nächsten Tag stimulierten die Forscher die entsprechenden Neuronen, während sich die Mäuse in einem anderen Raum befanden, und gaben ihnen zudem einen positiven Stimulus. Vor die Wahl gestellt, wollten die Mäuse den Stimulus auch im ersten Raum nun lieber angeschaltet haben, weil sie mit ihm jetzt eine positive Erinnerung verknüpften.
Noch ist dies Grundlagenforschung – für Menschen eignen sich die Verfahren nicht: weil die Mäuse gentechnisch verändert waren und auch, weil die optogenetische Methode einen Eingriff ins Hirn erfordert.




