Einer Studie internationaler Forscher zufolge kann ein neuer Malaria-Impfstoff die Zahl der Infektionen bei afrikanischen Kleinkindern halbieren. Das Mittel könnte bereits in den nächsten Jahren weiträumig angewendet werden, heißt es in einer Mitteilung des Herstellers GlaxoSmithKline, der seit 1987 mit seinen Partnern an der Entwicklung des Impfstoffes arbeitet. Es muss nun allerdings noch eine offizielle Zulassung für das Mittel erfolgen, bevor eine umfangreiche Produktion beginnen kann. Es wäre der erste Impfstoff überhaupt gegen die verheerende Tropenkrankheit.
Malaria wird von dem Parasiten Plasmodium falciparum ausgelöst, der erst die Leber und dann Blutzellen befällt. Der Erreger gelangt per Luftfracht von Mensch zu Mensch: Die Anopheles-Mücke kann bei einem Stich Malaria übertragen. Jedes Jahr erkranken rund 225 Millionen Menschen, rund 800.000 sterben, die meisten davon sind Babys und Kleinkinder aus Regionen südlich der Sahara.
An dem nun erprobten Wirkstoff namens RTS,S wird bereits seit Jahren geforscht. Er galt schon länger als aussichtsreicher Kandidat für einen Impfstoff. Die Untersuchungen der 6.000 Kinder zwischen 5 und 17 Monaten ergaben nun ein Jahr nach der Impfung, dass sich das Risiko für eine milde Malariaerkrankung um bis zu 56 Prozent vermindert hatte. Schwere Fälle habe es nur halb so viele gegeben. Um die Ergebnisse vergleichen zu können, erhielt eine Kontrollgruppe von Kindern nur Impfstoffe gegen Tollwut oder bakterielle Meningitis.
Der Impfstoff enthält ein Protein des Malaria-Erregers sowie einen Wirkverstärker. Dadurch löst er die Bildung von Antikörpern gegen die Parasiten aus und regt gleichzeitig Abwehrzellen an, infizierte Leberzellen abzutöten. Laut bisherigen Ergebnissen sei RTS,S gut verträglich und zeige wenig schwere Nebenwirkungen.Wie viele Monate die Impfung Schutz bietet, muss allerdings noch weiter untersucht werden.
Wann RTS,S auf den Markt kommt, ist noch unklar. In einer aktuellen Mitteilung des Herstellers GlaxoSmithKline heißt es aber, dass der Impfstoff, falls er alle notwendigen Zulassungen erhält, bereits in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen könnte. Bisher können sich Menschen in den betroffenen Gebieten nur mit der vorbeugenden Einnahme von Tabletten sowie durch Vermeidung von Insektenstichen beispielsweise mittels Moskitonetzen vor der Fieberkrankheit schützen.
Selidji Todagbe Agnandji (Albert Schweitzer Hospital ? Lambaréné, Gabon) et al.: New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1102287 wissenschaft.de – Martin Vieweg





