Die Lunge schützt sich mit einem eigenen Geschmackssinn vor schädlichen Substanzen: Einige der Zellen, die Lunge und Bronchien auskleiden, können bittere – und damit potenziell giftige – Stoffe erkennen. Dazu dienen genau die gleichen molekularen Sensoren, die auch auf der Zunge für bitteren Geschmack zuständig sind. Das haben US-Forscher um Alok Shah von der University of Iowa gezeigt. Die Bitterrezeptoren sitzen in kleinen haarähnlichen Ausstülpungen auf der Zelloberfläche, den sogenannten Zilien, denen bisher eine rein mechanische Aufgabe zugeschrieben wurde: Sie sind dafür verantwortlich, Staub, Krankheitserreger, Schleim und andere unerwünschte Partikel durch ihre Bewegungen wieder aus Lunge und Bronchien herauszubefördern.
Doch die Zilien können noch mehr: Kommen sie mit einem Bitterstoff wie Chinin oder Nikotin in Kontakt, registrieren ihre Bitterrezeptoren nicht nur dessen Anwesenheit. Sie reagieren auch direkt darauf, indem sie ihre Bewegungsfrequenz um bis zu einem Viertel erhöhen und so dafür sorgen, dass der potenzielle Gefahrenstoff schleunigst wieder ausgeschieden wird. Im Gegensatz zu den Sinneszellen der Zunge, die lediglich als Empfänger dienen und für eine Reaktion erst die Übersetzung durch die Nervenzellen brauchen, sind die Zilien der Lunge also Empfänger und ausführendes Organ zugleich.




