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Luftverschmutzung lässt die Sehkraft schwinden
Gesundheit & Medizin

Luftverschmutzung lässt die Sehkraft schwinden

Grauer und Grüner Star sind nicht nur altersbedingt: Auch die Luftverschmutzung ist ein wichtiger Risikofaktor. · Foto: © Bouillante/ iStock

Wenn die Sehkraft durch den Grauen und Grünen Star verloren geht, ist dies nicht nur eine Folge des Alterns oder einer ungünstigen Veranlagung. Auch die Luftverschmutzung – und damit ein vermeidbarer Risikofaktor – spielt eine wichtige Rolle für diese Augenkrankheiten, wie eine Studie zeigt. Besonders schädlich ist demnach Feinstaub, wie er unter anderem durch Abgase aus Fahrzeugen und Industrie freigesetzt wird.
Autor
Nadja Podbregar
15. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

In fast allen Teilen der Welt liegt die Luftverschmutzung weit über den von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegten Grenzwerten und sorgt für Millionen zusätzliche Todesfälle. Als besonders schädlich gilt Feinstaub mit einer Partikelgröße unterhalb von 2,5 Mikrometern (PM2.5). Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass die winzigen Teilchen tief in die Lunge eindringen, Atemwege und Herz schädigen und bei Schwangeren sogar bis in die Plazenta gelangen.

Augenerkrankungen im Fokus

„Die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Augen wurden bisher jedoch weitaus weniger untersucht und die vorhandenen Erkenntnisse waren uneinheitlich“, erklärt Ahmed Alnabihi vom King Khaled Eye Specialist Hospital and Research Center in Riad in Saudi-Arabien. Gemeinsam mit seinem Team hat er nun 41 Studien ausgewertet, die anhand der Daten von Millionen Menschen in Ostasien und Großbritannien die Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und Augenkrankheiten untersucht haben.

Dabei erfassten die Forschenden die Auswirkungen verschiedener Arten von Luftverschmutzung, darunter Feinstaub mit Partikelgrößen bis 2,5 Mikrometer und bis 10 Mikrometer, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Ozon und Kohlenmonoxid. Die jeweiligen Konzentrationen dieser Schadstoffe verglichen sie mit der Anzahl an Menschen, die an Augenerkrankungen wie Grünem Star (Glaukom), Grauem Star (Katarakt) oder altersbedingter Makuladegeneration litten.

„Jeden Tag sehen wir Patienten, die aufgrund von Erkrankungen wie Glaukom und Katarakt ihr Sehvermögen verlieren“, sagt Alnabihi. „Diese Krankheiten werden als ‚altersbedingt‘ bezeichnet, als ob das Altern der einzige Verursacher wäre, doch das erschien mir immer unvollständig. Wenn ein Umweltfaktor diese Erkrankungen beschleunigt, verändert das unsere Sichtweise und legt nahe, dass wir Maßnahmen ergreifen könnten, um die Risiken zu verringern.“

Nicht nur altersbedingt

Tatsächlich stellten die Forschenden fest, dass die Luftverschmutzung das Risiko für Grünen und Grauen Star deutlich erhöht. Menschen, die in den Gebieten mit der stärksten Luftverschmutzung lebten, hatten im Vergleich zu denen in den am wenigsten verschmutzten Gebieten ein um bis zu 70 Prozent höheres Risiko, einen Grünen Star zu entwickeln. Auch das Risiko für einen Grauen Star stieg mit zunehmender Schadstoffbelastung an. Bei der altersbedingten Makuladegeneration waren die Ergebnisse hingegen weniger eindeutig.

„Das deutlichste Ergebnis betraf Feinstaub – die winzigen Partikel in Rauch, Fahrzeugabgasen und Industrieemissionen, die klein genug sind, um tief in den Körper einzudringen“, berichtet Alnabihi. Für andere Luftschadstoffe wie Stickoxide zeigten sich dagegen geringere oder nicht eindeutige Zusammenhänge.

Wie Feinstaub die Augen schädigt

„Es wird angenommen, dass Feinstaub Entzündungen und oxidativen Stress im Körper verursacht“, erklärt Anhabihi. „Bei jahrelanger Belastung können diese Effekte den Sehnerv schädigen, was für den Grünen Star relevant ist, oder die Augenlinse, was für den Grauen Star relevant ist.“ Da das Auge direkt der Umwelt ausgesetzt ist, ist es besonders anfällig. „Die Augenoberfläche – der Tränenfilm, die Bindehaut und die Hornhaut – hat im Gegensatz zu vielen anderen Organen keine Barriere zur Außenluft“, sagt Anhabihi. „Dadurch ist es biologisch plausibel, dass die Luftverschmutzung hier besonders schädigend wirken kann.“

Aus Sicht der Forschenden liefern ihre Ergebnisse ein zusätzliches Argument für strengere Standards für die Luftqualität. „Bislang wurden alle wichtigen Maßnahmen zur Luftreinhaltung in erster Linie mit der Herz-Kreislauf- und Lungengesundheit begründet“, erklären sie. „Unsere Studie bringt ein neues Organsystem in diese Debatte ein. Politiker, die Investitionen in Emissionskontrollen rechtfertigen müssen, haben nun einen weiteren evidenzbasierten Grund dafür – und zwar einen, der unser Sehvermögen betrifft, einen Sinn, dessen Verlust die Menschen besonders fürchten.“

Quelle: Ahmed Alnabihi (King Khaled Eye Specialist Hospital and Research Center, Riad, Saudi-Arabien) et al., 44th Congress of the European Society of Cataract and Refractive Surgeons

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