Kohle gilt traditionell als billige Energiequelle und spielt in vielen Ländern der Welt nach wie vor eine wichtige Rolle für die Stromerzeugung. Zugleich ist bereits bekannt, dass Kohlekraftwerke eine erhebliche Luftverschmutzung verursachen und dadurch zu Erkrankungen und Todesfällen beitragen. Mehrere Studien haben bereits versucht abzuschätzen, wie groß dieser Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung ist. Allerdings gingen sie dabei davon aus, dass der von Kohlekraftwerken ausgestoßene Feinstaub nicht mehr oder weniger schädlich ist als anderer Feinstaub mit der gleichen Partikelgröße von 2,5 Mikrometern (PM2,5) aus anderen Quellen.
Emissionsfelder und Gesundheitsdaten kombiniert
„PM2,5 aus Kohle ist jedoch viel schädlicher als gedacht und die verursachte Sterblichkeitsbelastung wurde erheblich unterschätzt“, sagt Lucas Hennemann von der George Mason University in Virginia. Gemeinsam mit seinem Team hat er für 480 Kohlekraftwerke in den USA zusammengetragen, wie viel Feinstaub und Schwefeldioxid (SO2) sie Woche für Woche zwischen 1999 und 2020 ausgestoßen haben, in welche Richtung jeweils der Wind die Abgase getragen hat und wie die Niederschlagsverhältnisse waren.
Diese Daten kombinierten die Forschenden mit Daten der amerikanischen Krankenversicherung Medicare, die Amerikanern über 65 Jahren zur Verfügung steht und deren Gesundheitszustand erfasst. Hennemann und sein Team interessierten sich insbesondere für den Wohnort und den Todeszeitpunkt der Versicherten. Zusätzlich bezogen sie unter anderem Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und sozioökonomischen Status in die Analyse ein. Durch die Verknüpfung dieser Daten mit den Emissionsfeldern der Kohlekraftwerke und der Intensität der lokalen Feinstaubbelastung konnten sie berechnen, welcher Anteil der Todesfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Luftverschmutzung zurückzuführen war.
Vermeidbare Todesfälle durch Luftverschmutzung
Das Ergebnis: „Insgesamt 460.000 Todesfälle bei Amerikanern über 65 Jahren waren auf PM2,5 aus Kohle zurückzuführen“, berichtet das Team. Ihren Vergleichsanalysen zufolge erhöhte die Belastung durch den schwefelhaltigen Feinstaub aus Kohlekraftwerken das Sterblichkeitsrisiko mehr als doppelt so stark wie Feinstaub aus anderen Quellen. Die höchste Belastung und damit verbundene Sterblichkeit zeigte sich in den Bundesstaaten im Osten der USA, da diese Region zum einen eine besonders hohe Bevölkerungsdichte hat und zum anderen traditionell stark auf Kohlestrom gesetzt hat. Allein zehn der dort untersuchten Kraftwerke waren jeweils für mehr als 5.000 Todesfälle verantwortlich.
„Wir zeigen aber nicht nur, wie schädlich die Kohleverschmutzung war, sondern haben auch eine gute Nachricht: Die Zahl der durch Kohle verursachten Todesfälle war 1999 am höchsten, ist aber bis 2020 um etwa 95 Prozent zurückgegangen, da die Kohlekraftwerke Abgasreinigungsanlagen installiert haben oder stillgelegt wurden“, berichtet Henneman. Während die durchschnittliche PM2,5-Belastung durch Kohle im Jahr 1999 in den USA bei 2,34 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lag, betrug sie 2020 nur noch 0,07 Mikrogramm pro Kubikmeter. „Ich betrachte das als eine Erfolgsgeschichte“, sagt Co-Autor Corwin Zigler von der Harvard University in Boston. „Kohlekraftwerke waren eine große Belastung, die durch die US-Politik bereits erheblich reduziert werden konnte. Aber wir haben die Belastung nicht vollständig beseitigt. Diese Studie liefert uns ein besseres Verständnis dafür, wie sich die Gesundheit weiter verbessern und Leben gerettet werden können, wenn wir uns weiter in Richtung einer sauberen Energiezukunft bewegen.“





