Ausgerechnet du?, staunt die Kollegin aus der Bildredaktion. Einer, der jede Zeile Text gegen Abbildungen und Fotos verteidigt, wählt einen Comic zum Wissensbuch des Jahres? Aber hallo: Wir reden hier…
Ausgerechnet du?, staunt die Kollegin aus der Bildredaktion. Einer, der jede Zeile Text gegen Abbildungen und Fotos verteidigt, wählt einen Comic zum Wissensbuch des Jahres? Aber hallo: Wir reden hier von einer Graphic Novel von einem gezeichneten Roman. Wobei: In einem hat die Kollegin recht. Ich habe den Band zunächst vor allem gelesen: die Biografie des britischen Mathematikers und Philosophen Bertrand Russell, der Studenten am Vorabend des Zweiten Weltkriegs seine Geschichte erzählt die Geschichte des Versuchs, die gesamte Mathematik auf eine logische Basis zu stellen.
Er führt seine Zuhörer dabei durch alle Epochen der Wissenschaft, von den Klassikern Griechenlands über die großen Denker des 19. Jahrhunderts Poincaré, Leibniz oder Boole bis in die Neuzeit, zu Kurt Gödel und Alan Tuning. Der Kampf um die Wahrheit, um letztgültige Aussagen, spiegelt dabei auch die Lebensgeschichte Russells, sein wissenschaftliches und privates Scheitern eingeschlossen.
Der Anspruch, Mathematik und Philosophie in bekömmlichen Texthäppchen zu servieren, ist schlicht genial umgesetzt. Aber erst die Zusammenschau mit den Zeichnungen macht das Erlebnis perfekt. Sie sind ebenso detailbegeistert wie liebevoll, so dramatisch wie amüsant.
Erst beim zweiten und dritten Durchgang fallen die witzigen Überraschungen in den Ecken und im Hintergrund auf. Und ich bin sicher, ich habe längst nicht alle entdeckt.
Jürgen Nakott