Während der Corona-Pandemie haben Regierungen weltweit zeitweise restriktive Maßnahmen wie Ausgangsperren und Kontaktbeschränkungen erhoben, um eine Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus zu verhindern. Diese Maßnahmen griffen tief in unseren Alltag ein und haben unser soziales Miteinander verändert. Durch Schulschließungen und den Wegfall sozialer Interaktionen in der Freizeit litten insbesondere Kinder und Jugendliche stark unter den Lockdowns. Vielfach haben diese Maßnahmen auch der psychischen Gesundheit von Jugendlichen geschadet, wie Studien belegen.
Durch die Einschränkungen entwickelten die Jugendlichen, insbesondere Mädchen, beispielsweise häufiger Depressionen und Angststörungen. Bislang wenig untersucht wurde hingegen, ob der Stress der Lockdowns auch die strukturelle Entwicklung des Gehirns im Jugendalter beeinflusst hat.
Gehirnentwicklung von Teenagern beschleunigt
Ein Team um Neva Corrigan von der University of Washington hat dies nun überprüft. Dafür verglichen die Neurowissenschaftler die MRT-Scans von Jugendlichen zwischen neun und 17 Jahren. 160 der Gehirnscans wurden im Jahr 2018 und damit vor den Lockdowns aufgenommen, 130 im Jahr 2021 mit denselben Jugendlichen und damit nach den härtesten Lockdowns. Dabei zeigte sich, dass sich die Gehirnstruktur der Jugendlichen nach den drei Jahren tatsächlich unterschied. Konkret hatte sich nach den Lockdowns die äußerste Schicht an Nervenzellen im Cortex, die Hirnrinde ausgedünnt.

Dieser Vorgang der neuronalen Ausdünnung ist ein natürlicher Teil der jugendlichen Gehirnentwicklung und Hirnreifung, wurde mit dem Stress der Lockdowns allerdings stark beschleunigt, wie die Analyse zeigte. Das bedeutet, dass die Gehirne der Jugendlichen schneller reiften als normal. Bei Mädchen war der Effekt deutlich größer als bei Jungen, wie Corrigan und ihre Kollegen berichten. Während bei den Mädchen 30 Hirnregionen über alle Hirnlappen und beide Hirnhälften hinweg von der Ausdünnung betroffen waren, waren es bei den Jungen nur zwei Hirnareale im Okzipitallappen des visuellen Cortex. Die Gehirne der Mädchen alterten dadurch vorzeitig um ganze 4,2 Jahre, während die der Jungen immerhin um 1,4 Jahre schneller reiften als normal.
Doch woher kommt dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern? „Die größeren Auswirkungen auf weibliche Gehirne im Vergleich zu männlichen Gehirnen könnten auf Unterschiede in der Bedeutung sozialer Interaktion für Mädchen und Jungen zurückzuführen sein“, sagt Seniorautorin Patricia Kuhl von der University of Washington. Weibliche Teenager verlassen sich demnach oft stärker auf die Beziehungen zu anderen Mädchen und treffen sich, um miteinander zu sprechen und Gefühle zu teilen. Jungen versammeln sich hingegen eher für körperliche Aktivitäten. „Alle Teenager wurden durch die Lockdowns isoliert und verloren ihre normalen Stressventile, aber Mädchen litten mehr darunter. Es wirkte sich viel dramatischer auf ihr Gehirn aus“, so Kuhl.





