Lisa Feldman Barrett
Sie hat Daten ignoriert und Unterschiede nicht verstanden und überhaupt – wieso trägt sie eine wissenschaftliche Debatte in der New York Times aus statt in einer Fachzeitschrift, wie es sich gehört? So klingt es, wenn der weltberühmte Forscher Paul Ekman – der selbst gerne die Öffentlichkeit sucht – seine Kollegin Lisa Feldman Barrett kritisiert.
Die gebürtige Kanadierin ist Widerstand gewohnt. Ihr Stiefvater störte sich an ihren guten Schulnoten und wollte sie mit 16 arbeiten schicken. Doch sie besuchte als Erste aus der Familie eine Universität. Heute lehrt Lisa Barrett (*1963) als „ Distinguished Professor” an der Northeastern Universität in Boston.
Immer wieder hat sie psychologische Lehrmeinungen überprüft und festgestellt, dass die Dinge komplizierter liegen. So besagt eine Theorie, dass Menschen depressiv reagieren, wenn sie ihren eigenen Idealen nicht gerecht werden, und ängstlich, wenn sie den Erwartungen anderer nicht genügen. Lisa Barrett konnte das in acht verschiedenen Experimenten nicht bestätigen. Sie fand auch den schlichten Grund dafür: Die Betroffenen reagieren in beiden Fällen sowohl depressiv als auch ängstlich. Heute führt Lisa Barrett gemeinsam mit dem Psychologen James Russell vom Boston College das wachsende Lager der Ekman-Kritiker an.




