Arbeiten Menschen wirklich besser, wenn sie mehr dafür gezahlt bekommen? So rechtfertigen Banker schließlich ihre abenteuerlichen Boni. Um das zu testen, bot Dan Ariely, Verhaltensökonom und Psychologe an der Duke University, Versuchspersonen für eine Stunde Mitwirkung an einem harmlosen Experiment bis zum Fünffachen ihres Monatsverdienstes an. Und damit es keine Beschwerden der Uni-Verwaltung gab, wurde die Studie nach Indien outgesourct. Erstaunliches Ergebnis: Die bestbezahlten Teilnehmer lieferten die schlechteste Leistung.
Arielys Buch ist eine Sammlung solcher Spitzen gegen seine „ rationalen Ökonomenfreunde (ja, ein paar habe ich noch)”. Mit vielen Beispielen und Expe-rimenten belegt er, dass Menschen oft lieber ihren Gefühlen als ihrem Verstand folgen – und wieso das mitunter gar nicht so schlecht ist. Warum schätzen viele das mühevoll, aber leider schief zusammengezimmerte Ikea-Regal mehr als das einwandfreie gekaufte? Warum spenden manche Leute für einen Hund, der auf einem verlassenen Schiff im Pazifik treibt, aber nicht für die Ausrottung der Malaria? Und wieso stellt der moderne Heiratsmarkt trotz Online-Dating „einen der krassesten Fälle von Marktversagen in westlichen Gesellschaften dar”? Ariely hat für all das in seinem – gut übersetzten – Buch eine überzeugende Erklärung.
Bevor er sich schließlich „mit irrationalen Grüßen” verabschiedet, gibt er noch all jenen einen fachmännischen Rat, die Heiratspläne schmieden: Zunächst einmal das Hochzeitsfest mit allem Drumherum planen – und nur, wenn man sich dann immer noch gut leiden kann, den Entschluss zur Hochzeit fassen. Jochen Paulus
Dan Ariely FÜHLEN NÜTZT NICHTS, HILFT ABER Droemer, München 2010 368 S., € 19,99 ISBN 978–3–426–27551–1





