Frauen haben häufiger als Männer Autoimmunkrankheiten – Störungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Grund für den Geschlechtsunterschied könnten Immunzellen des Kindes sein, die noch Jahre nach einer Schwangerschaft im Blut der Mutter herumvagabundieren. Das zeigen Forschungsergebnisse von Wolfgang Holzgreve von der Universitätsfrauenklinik in Basel.
Bisher galt die Plazenta als unüberwindbare Hürde für die Immunzellen. Denn schließlich darf das mütterliche Immunsystem das Ungeborene nicht als „fremd” ansehen und attackieren. Doch einigen Zellen gelingt es trotzdem, in beiden Richtungen durch diesen Zaun zu schlüpfen. Im Blut von Schwangeren entdeckte Holzgreve auf eine Million eigene Zellen immerhin eine Zelle des Fötus. Wenn darunter auch Stammzellen des Immunsystems sind, lassen sie sich sogar noch Jahrzehnte nach der Geburt im mütterlichen Körper nachweisen. Diese fremden Stammzellen und deren im Blut zirkulierende Abkömmlinge könnten die weiblichen Abwehrkräfte in die Irre leiten und das Autoimmungeschehen anheizen. Zu diesen Immunstörungen zählen beispielsweise die rheumatoide Arthritis (Gelenkrheuma), Hautentzündungen (Sklerodermie, Lupus erythematodes) sowie chronische Entzündungen der Schild- drüse oder des Darms.





