Land unter
„Wir sind vom Meer der Instabilität auf eine Insel der Stabilität gesprungen”, freute sich Victor Ninov vor zwei Jahren. Ninov leitete ein Team am kalifornischen Berkeley National Laboratory, das glaubte, erstmals drei Atome des bisher schwersten chemischen Elements erzeugt zu haben: „Ununoctium” mit der Ordnungszahl 118. Die Freude der Physiker war groß, näherten sie sich damit doch erstmals den von der Theorie vorhergesagten superschweren Elementen, die nicht nach Sekundenbruchteilen wieder zerplatzen, sondern, einmal erzeugt, stabil sein sollten.
Nun aber herrscht Katerstimmung, die ersehnte Insel der Stabilität meldet fürs Erste „Land unter”. Die Physiker in Berkeley haben die Erfolgsmeldung nach einer erneuten Analyse ihrer Daten zurückgezogen.
Viele Kollegen waren von Anfang an skeptisch. Denn die Rate, mit der die Atome das Licht der Welt erblickten, war deutlich größer als die Theorie forderte. Versuche anderer Forscher, ebenfalls Ununoctium zu gewinnen, blieben vergeblich. Auch in Berkeley konnte man die eigenen Messresultate nicht reproduzieren.
Charles Shank, Direktor in Berkeley, sieht nun „viele Lektionen”, die aus der Blamage zu lernen seien. Eine wäre, im Wettstreit um neue rekordverdächtige Entdeckungen nicht das nötige Maß an Gründlichkeit beim Forschen aus den Augen zu verlieren.
Hans Groth




