Für die bdw-Leser haben Heidi Stolz und Sandra Rusch folgende Empfehlungen zusammengestellt, die helfen, das Leben mit Humor zu nehmen:
· Umgeben Sie sich mit Humor. Schauen Sie lustige Filme an, besuchen Sie Freunde, die Sie zum Lachen bringen. Suchen Sie Cartoons und Witze, die Sie an Kühlschrank, Arbeitsplatz oder Computer pinnen können. Ist man von Humor umgeben, fällt es leichter, selbst humorvoll zu sein.
· Finden Sie heraus, welchen Humor Sie haben: Über welche Witze können Sie lachen, welche Comedians mögen Sie? Beobachten Sie Leute, die gute Witze und Geschichten erzählen und überlegen Sie, welche Elemente einen Witz lustig machen.
· Versuchen Sie, mit der Sprache zu spielen: Suchen Sie nach Mehrdeutigkeiten oder albernen Begriffen wie „ Bevölkerungsexplosion” oder „Hundekuchen”. Auch missverständliche Schilder in Supermärkten oder Restaurants können den Tag erheitern.
· Achten Sie auf lustige Situationen im Alltag. Erzählen Sie Freunden davon.
· Brechen Sie gewohnte Muster auf: Ziehen Sie sich beispielsweise in einer anderen Reihenfolge an. So werden Sie achtsamer gegenüber ungewöhnlichen Dingen und offener für neue Wege.
HUMORLOS? ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN!
Vielleicht sind Heidi Stolz und Sandra Rusch die geborenen Lach-Lehrerinnen. Sie selbst jedenfalls lachen gern und viel, und manchmal stacheln sie sich auch gegenseitig mit ihrem Gekicher an. Insofern haben die beiden Psychologinnen von der Universität Zürich wohl ihren Traum-Job gefunden: Seit vier Jahren arbeiten sie als Humortrainerinnen. Sie bringen Menschen bei, im Alltag mehr zu lachen. Glucksen, Kichern, Röhren, Tränen lachen: In der Kindheit ist das für uns selbstverständlich. „Doch kaum kommen wir in die Schule, sagen uns alle, dass nun der Ernst des Lebens beginnt”, meint Heidi Stolz. „So geht durch unsere Sozialisation nach und nach der Humor verloren – und damit auch die Fähigkeit, Widrigkeiten im Leben von ihrer heiteren Seite zu betrachten.”
Ein Indiz für diesen Verlust sei, dass Erwachsene kaum noch spielen. „Dabei ist das physische Spiel die Grundlage unseres Humors”, ist Sandra Rusch überzeugt. Dieser Ansicht ist auch der US-amerikanische Humorforscher Paul McGhee, der nach jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeit den Universitäten den Rücken kehrte, um mit einem selbstentworfenen Humortraining das Leben seiner Mitmenschen zu verschönern. Auf seinen Erkenntnissen sind die Seminare der schweizerischen Psychologinnen aufgebaut.
In der Regel ist ihr Training in acht Sitzungen unterteilt, die jeweils zwei Stunden dauern. Die beiden bieten aber auch Tages-Workshops an. Gemeinsam ist den Angeboten eine Mischung aus theoretischem Inhalt und praktischen Übungen. In Gruppen von 20 bis 25 Personen spielen die Teilnehmer Stegreif-Theater, schauen lustige Filme an oder machen Wortspiele. Sie lernen, über Humor zu reflektieren, ihre Vorlieben zu entdecken und auch einmal über sich selbst zu lachen. Selbst zu Hause müssen die Lach-Lehrlinge pauken: Sie führen ein Humortagebuch und bekommen Hausaufgaben. So sollen sie etwa auf lustige Erlebnisse im Alltag achten, Witze sammeln oder sich erinnern, worüber sie als Kinder gern gelacht haben. „Besonders die Spiele fallen vielen Teilnehmern am Anfang schwer”, sagt Heidi Stolz. Doch nach einigen Treffen gehen die meisten ganz darin auf – was ihnen hilft, den Alltag und die Sorgen für ein paar Augenblicke zu vergessen. „Es ist einfach wahnsinnig erheiternd, wenn etwa ein Bankangestellter in Anzug und Krawatte laut lachend einem Luftballon hinterher hechtet, um zu verhindern, dass der auf den Boden fällt”, sagt Sandra Rusch.
EIN INSERAT – 500 INTERESSENTEN
Auf die Idee, ein Humortraining zu entwickeln, brachte die beiden Frauen ihr Professor Willibald Ruch, der ihnen während des Studiums vorschlug, ihre Abschlussarbeit diesem Thema zu widmen. Ziel war nicht allein, ein praktisches Konzept zu entwickeln, sondern das Training auch wissenschaftlich auszuwerten und seinen Effekt auf die Teilnehmer zu evaluieren. Derzeit arbeiten die beiden Psychologinnen zusammen mit Ruch an der Publikation ihrer Studien. Das Interesse an der Arbeit der Psychologinnen ist groß. Als sie für das erste Seminar in zwei schweizerischen Tageszeitungen inserierten, meldeten sich innerhalb von zwei Tagen über 500 Interessierte. Die Teilnehmer ihrer Workshops stammen aus allen Altersgruppen und Schichten. Der jüngste war 18, der älteste 72 Jahre alt. Es kommen Hausfrauen, Senioren, Manager. Auch für Lehrer, Verwaltungsangestellte und Berufsberater haben die Psychologinnen Kurse organisiert.
EINE RICHTIGE BEFREIUNG
Viele ihrer Teilnehmer, beobachten Stolz und Rusch, leiden darunter, dass sie glauben, sie hätten keinen Humor. „Für sie ist es eine richtige Befreiung, wenn sie entdecken, dass sie doch über etwas lachen können”, sagt Rusch. Sie ist sicher: Ernsthaftigkeit und Humor schließen sich nicht gegenseitig aus. „ Nur die Kombination von schlechter Laune und Humor, die klappt nicht so richtig.”
Doch kann man wirklich lernen, humorvoller zu werden? „Ja, man kann”, sagt Heidi Stolz. Über 200 Teilnehmer haben die Psychologinnen befragt, vor und nach dem Training und den einzelnen Sitzungen sowie zwei Monate danach. Die Aussagen ihrer Probanden verglichen sie mit denen einer Alternativgruppe, die ein Training ohne Humorinhalte absolviert hatte, sowie einer Kontrollgruppe, die keinen Kurs gemacht hatte. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Probanden waren nach dem Humortraining heiterer und humorvoller, ihre Verspieltheit war größer und ihre Lebenszufriedenheit war ebenfalls deutlich höher – auch noch zwei Monate später.
Für Rusch und Stolz ist klar: Sie wollen weitermachen – obwohl sich das Training durchaus auf ihr Privatleben auswirkt: „Wir gönnen uns nun hin und wieder einen völlig humorfreien Tag”, sagt Heidi Stolz. Das müsse auch mal sein. ■
TANJA KRÄMER, Autorin sämtlicher Beiträge dieser Titelgeschichte, mag ironische Bemerkungen mehr als Witze.
von Tanja Krämer




