Männliche Zwergdrachenflosser verführen ihre Weibchen mit einem bizarren System zur Paarung: Ein angelartiges Anhängsel an ihren Kiemendeckeln imitiert Futter. Dabei richtet sich die Form des Köders nach der Lieblingsspeise der Weibchen im jeweiligen Lebensraum, wie nun schwedische Biologen dokumentieren konnten. Die Männchen locken demanch entweder mit der Attrappe einer Ameise oder eines Käfers.
Den Forschern zufolge reagieren die Weibchen auf den Köder, als ob es echtes Futter wäre: Sie beißen und knabbern an dem kuriosen Anhängsel. Das gibt dem Männchen wiederum die Gelegenheit, in Reichweite des anderen Geschlechts zu kommen und seinen Samen zu übertragen. Diese kuriose Lockmethoden war bereits bekannt, doch die schwedischen Forscher haben nun beobachtet, dass die Form des Köders innerhalb der Art variable ist und sich am Lieblingsfutter der Weibchen orientiert.
In einem Experiment gewöhnten die Wissenschaftler eine Gruppe Weibchen daran, Ameisen zu fressen. Anschließend setzten sie ihnen zwei Männchen ins Aquarium. Der Köder des einen ähnelte einer Ameise, der des anderen einem Käfer. Wie die Forscher vermutet hatten, knabberten die Weibchen, die sich an Ameisen gewöhnt hatten, bevorzugt am Köder des Männchens mit der entsprechenden Attrappe.
Dies erkläre, warum die Köder der Männchen entlang verschiedener Flussabschnitte ganz unterschiedlich aussehen können.
Demnach bilden sie einen Köder, der einer Ameise ähnelt, wenn diese Krabbeltiere zur bevorzugten Speise der Damen in ihrem jeweiligen Lebensraum gehören. Leben sie dagegen in einer Region, in der eher Käfer den Speiseplan bestimmen, machen sich die Fischmännchen diesen entsprechenden Lockeffekt zunutze. Letztendlich erhöhen sie damit die Chancen, zum Zuge zu kommen, sagen die Forscher.
Der bis zu sieben Zentimeter lange Zwergdrachenflosser ist in südamerikanischen Gewässern beheimatet, und fühlt sich in den gut strömenden Flüssen Trinidads und Venezuelas am wohlsten. Er gehört zur Familie der Salmler und frisst bevorzugt Ameisen, Käfer und andere kleine Insekten, die auf der Wasseroberfläche schwimmen.
Niclas Kolm (Uppsala universitet) et al.: Current Biology , doi: 10.1016/j.cub.2012.05.050 © wissenschaft.de ? Sabine Kurz





