Im September wird Ötzi 20. Den zwei Jahrzehnten seit seiner Auffindung in den Südtiroler Alpen stehen rund 5300 Jahre Mumiendasein und etwa 45 Jahre reales Leben in der ausgehenden Steinzeit gegenüber. Das Bozener Ötzi-Museum gedenkt des Zweitgeburtsstages das ganze Jahr lang und fragt mit Ausstellung und Begleitbuch nach dem Bild, das man heute von der Eismumie hat. Das ist ein interessanter Ansatz jenseits der Wissenschaft, aber er übergeht Wichtiges. Immerhin hat die 20-jährige Forschung an dem schockgefrorenen Leichnam unser Wissen um die Menschen und die Welt der mitteleuropäischen, speziell der alpinen Stein-/ Kupferzeit, erheblich und spannungsreich erweitert (bild der wissenschaft 9/2006, „Wie eine Mumie die Wissenschaft aufmischt” ).
Was also ist aus Ötzi geworden? Ein Medienstar, ein Fruchtgummi, eine Überraschungsei-Figur und ein Wirtschaftsfaktor für Südtirol. Ein holländisches Zwillingsbrüderpaar hat ihm ein neues Gesicht verpasst, und der „Kriminalfall Ötzi” ist trotz immer neuer Indizien bislang nicht zweifelsfrei geklärt. Die Ausrüstung des Eismannes und die Geschichte seiner Auffindung werden im Buch beschrieben und anschaulich bebildert. Wie es sich für eine Mumie gehört, darf auch der „Fluch des Ötzi” nicht fehlen. Ist eine Mumie noch ein Mensch und entsprechend zu achten? Auch darum geht es in Bozen. Das alles ergibt eine Melange aus Abenteuer, Kuriositätenkabinett, Voyeurismus und Information, die für ein Buch einen Tick zu sehr museumspädagogisch daherkommt. Michael Zick
Angelika Fleckinger (Hrsg.) ÖTZI 2.0 Theiss, Stuttgart 2011 160 S., € 24,90 ISBN 978–3–8062–2432–0




