Professor an der renommierten Stanford-Universität zu werden – davon träumen viele Forscher ihr Leben lang. Für den Materialwissenschaftler Huajian Gao hat sich dieser Traum erfüllt. Doch kaum hatte der 38-Jährige den Job in der Tasche, schmiss er ihn hin und zog um ins schwäbische Stuttgart. Warum tauschte der Chinese die Edel-Uni, Palmen und Strand gegen das Max-Planck-Institut für Metallforschung, Stuttgart-Smog und Spätzle? Gao: „Ich brauche eben immer wieder mal neue Herausforderungen. In Stanford wusste ich, was ich die nächsten zehn Jahre tun würde. Hier ist jetzt alles neu und anders.” Der Chinese untersucht Materialeigenschaften durch Simulation. Hochleistungscomputer sind seine wichtigsten Werkzeuge. Dabei haben es ihm besonders die Biomoleküle angetan. Er will die mechanischen Eigenschaften von Proteinen analysieren und herausfinden, wie Proteine untereinander oder mit DNA interagieren. „Außerdem sind meine Frau Joan und ich fasziniert von neuen Kulturen. Hier in Europa gibt es auf engem Raum sehr viele verschiedene. China und auch die USA sind dagegen viel homogener.” Gerade mal ein Jahr ist er nun in Stuttgart, hat aber schon St. Petersburg und Prag besichtigt, war mit der Familie in Italien und Süd-Frankreich. Bleibt da noch Zeit für die Wissenschaft? „Tatsächlich habe ich hier mehr Zeit für meine Familie als in den USA, wo es üblich war, auch am Samstag und Sonntag zu arbeiten. Und das genieße ich sehr.” Gao vermisst nicht viel: „Nur den Strand und die Chinarestaurants. Die hiesigen sind nämlich leider katastrophal.”
Hans Groth




