
Da wir menschlichen Tiere uns oft als Nabel des Seins betrachten, legen wir an Vorstellungen vom Konzept des Todes intellektuell und emotional anthropozentrische Maßstäbe an – und sprechen somit anderen Spezies eine bewusste Wahrnehmung des Todes ab. Ein Fehler, wie Monsó in sieben erstaunlich schmissigen Kapiteln anhand zahlreicher Beobachtungen und Studien sowie eigener Erkenntnisse und fundierter Vermutungen ausführt. Vor allem für wild lebende Tiere ist der Tod weit präsenter als für uns. Das zeigt sich etwa daran, wie sie den Tod von Artgenossen betrachten und interpretieren oder wie sie trauern. Wie eindeutig vor allem sozial lebende Tiere die unumkehrbare Nichtfunktionalität von Leichnamen und gar Kausalität erkennen können oder wie sie durch intra- und interspezifische Gewalt den Tod „erlernen“: Kognitive Fähigkeiten sind in nichtmenschlichen Tieren zweifellos angelegt.
Trotz einiger Wiederholungen fokussiert sich Susana Monsó auf das Wesentliche. Sie schreibt zugänglich und garantiert Horizonterweiterung. Alexander Schramm
Susana Monsó
Das Schweigen der Schimpansen
Insel Verlag, 254 S., € 28,–
ISBN 978-3-458-64553-5




