von CHRISTIAN WOLF
Wir schenken einem Unbekannten im Zug Vertrauen, wenn wir ihn bitten, kurz auf unsere Tasche aufzupassen. Und hoffen dabei, dass er sich nicht mit unserem Hab und Gut aus dem Staub macht. Wir leihen einem Freund Geld im Vertrauen darauf, es wiederzubekommen. Wir ziehen uns in der Gemeinschaftsumkleide um – und gehen davon aus, dass keiner heimlich mit dem Smartphone Fotos von uns macht. All dies geschieht im Alltag oft unbewusst. Denn Vertrauen ist notwendig, um kooperieren zu können: in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz, in Freundschaften und in der Partnerschaft. „Vertrauen ist die Hühnersuppe des sozialen Lebens“, so beschrieb einmal der US-amerikanische Politikwissenschaftler Eric Uslaner den Wert von Vertrauen für das alltägliche Miteinander. Hühnersuppe soll die Gesundheit stärken, Vertrauen die Gesellschaft: Es ist so etwas wie der soziale Kitt.





