Manch deutscher Professor, der über einem Forschungsgeld-Antrag brütet, schielt neidisch in die USA. Das lukrative Zusammenspiel zwischen Universitäten und Wirtschaft dort gilt als vorbildlich. Amerikanische Firmen investieren als so genannte Drittmittel riesige Summen in Forschungsprojekte und erwerben so das Recht, an den Entdeckungen mitzuprofitieren. „ Wenn wir weiter in der Weltspitze mitspielen wollen”, meint der Präsident der Humboldt-Stiftung, Prof. Wolfgang Frühwald, „müssen wir auf die Industrie zugehen.” bild der wissenschaft hat nachgerechnet und basierend auf den letzten vollständig erhältlichen Daten aus dem Jahr 1997 die Drittmitteleinnahmen pro Universitäts-Wissenschaftler in Europa, Japan und den USA verglichen. Fazit: Eigentlich kein Grund zum Klagen für deutsche Forscher. Das Budget eines US-Professors ist mit rund 250000 Euro mehr als das doppelt so groß wie das seines deutschen Kollegen. Dieser erhält aber mit 14100 Euro nur rund zwölf Prozent weniger Drittmittel aus der Wirtschaft . Doch während die amerikanischen Hochschulen im vergangenen Jahr rund 654 Millionen Dollar aus Patentlizenzen verbuchen konnten, fließen diese Einnahmen bisher an den deutschen Universitäten vorbei. „Wir befinden uns im Aufbruch”, sagt Prof. Joachim Schultze, Immunologe an der Universität Köln und erst seit kurzem zurück aus Harvard, „aber bei der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft geht es verglichen mit amerikanischen Verhältnissen hier noch reichlich amateurhaft zu. In Harvard hat ein spezielles Büro die Verhandlungen mit der Industrie geführt, in Deutschland werden dagegen wirtschaftlich unbedarfte Wissenschaftler oft über den Tisch gezogen.”
Hans Groth





