Eine ganze Menge, meint Jared Diamond, US-Professor für Geographie und Pulitzer-Preis-Träger. Denn im Grunde genommen macht jede Gesellschaft immer wieder die gleichen Fehler. Die Wikinger zum Beispiel: Sie lassen sich in Grönland nieder, ruinieren mit ihrem Vieh die Flora, bauen aus kostbarem Holz Kathedralen und aus ebenso kostbaren Grassoden Häuser und kommen dann schließlich in einer kleinen Eiszeit in einem Chaos aus Hunger, Mord und Totschlag um. Auch die Bevölkerung der Osterinsel beraubt sich ihrer Daseinsgrundlage, indem sie ihr Eiland entwaldet und die Bäume, die zum Bau ihrer Boote und damit zum Fischfang unerlässlich sind, zum Transport von Götzenfiguren nutzt. Am Ende bleibt ihr nur noch eine einzige Nahrung: sie selbst.
Diamond demonstriert mit historischen Fallstudien, dass schon frühere Gesellschaften nicht fähig waren, mit Problemen umzugehen, die sie größtenteils selbst verursacht hatten. Richtig unangenehm wird es für den Leser, wenn der Autor in China, Australien und seinem geliebten Montana die gleiche verhängnisvolle Denk- und Handlungsweise am Werk sieht. Die apokalyptischen Reiter haben nur die Rüstung gewechselt, Bedrohungen und Gefahren haben sich geändert aber nicht die Menschen. Doch die Folgen schlagen dank der Globalisierung nicht mehr lokal, sondern weltweit durch.
Was Diamonds Buch auszeichnet, sind seine Glaubwürdigkeit und seine wissenschaftliche Präzision. Was es großartig macht, ist die außerordentliche Komplexität der Zusammenhänge, die Diamond dem Leser erstaunlich gelassen nahe bringt. Dabei sieht er sich als “vorsichtigen Optimisten”, denn: “Wir haben die Möglichkeit, aus den Fehlern der Menschen an weit entfernten Orten und in weit entfernter Vergangenheit zu lernen. Diese Möglichkeit hatte keine frühere Gesellschaft auch nur annähernd in dem gleichen Ausmaß.”
Hans Schmidt





