Erstmals ist es möglich, den Durchmesser naher massearmer Sterne zu messen. Das ist der neuen Interferometrie-Technik am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte zu verdanken. Dabei wurden zwei der vier 8,2- Meter-VLT-Teleskope auf dem Berg Paranal in Chile, die über 100 Meter voneinander entfernt stehen, zusammengeschaltet, was das Gesamtauflösungsvermögen beträchtlich erhöht. Das Kunststück der Messung gelang am 4,22 Lichtjahre entfernten Proxima Centauri. Dieser sonnennächste Stern wurde 1894 von dem schottischen Astronomen Robert Thorburn Ayton Innes entdeckt. Er besitzt ein 150stel der Sonnen-Leuchtkraft, seine Helligkeit beträgt daher nur ein Hundertstel von der solcher Sterne, die gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind. Mit einer Oberflächentemperatur von 3000 Grad – der Hälfte der Sonne – und einer Masse von 15 Prozent der Sonnenmasse gehört Proxima Centauri zu den so genannten späten M-Sternen. Das sind die kleinsten und lichtschwächsten, aber auch zahlreichsten Sterne in der Milchstraße. Der Winkeldurchmesser von Proxima Centauri beträgt 1,02 +/-0,08 Millibogensekunden. Das entspricht etwa der Größe eines Astronauten auf dem Mond, von der Erde aus betrachtet. Daraus lässt sich errechnen, dass der Stern einen Durchmesser von nur etwa 200000 Kilometern hat – 15 Prozent von dem der Sonne. „Die gemessene Größe stimmt gut überein mit den theoretischen Vorhersagen, die auf numerischen Modellen von Planeten und massearmen Sternen basieren”, sagt Didier Queloz vom Genfer Observatorium, Mitglied des internationalen Forschungsteams. „ Dasselbe gilt für drei andere Sterne, die wir vermessen haben.”
Hans Groth




