Das hätte man von den gerade mal 12 bis 14 Zentimeter großen Grauen Mausmakis (Microcebus murinus) nicht erwartet: Die putzigen Primaten, die auf Madagaskar leben, fressen sich gegenseitig auf, wie Forscher um Anni Hämäläinen von der Universität Göttingen erstmals beobachtet haben.
Die Wissenschaftler waren im Westen Madagaskars auf der Suche nach einem Mausmaki-Weibchen, das sie mit einem Sender ausgestattet hatten. Als sie das Tier fanden, war es tot und ein Männchen tat sich daran gütlich. Normalerweise – so dachte man bisher – ernähren sich Mausmakis von Pflanzen und Insekten. Die nun entdeckte Form des Kannibalismus ist ungewöhnlich. Dass große Primaten wie Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans Artgenossen fressen, ist bekannt. Doch dabei handelte es sich immer um neugeborene oder sehr junge, nie um erwachsene Tiere. Hämäläinen sieht in dem Kannibalismus ein Beleg dafür, wie flexibel Primaten ihren Speiseplan gestalten.




