„Mir fehlen die Orangs in Südostasien”, sagt Klaus Wilhelm, xx-jähriger Wissenschaftsjournalist mit Wohnsitz in Berlin. Schimpansen, Gorillas und Bonobos hat er bei seinen Afrikabesuchen mehrfach „Auge in Auge” erlebt. Grund genug für die bdw-Redaktion, den gelernten Molekularbiologen im vergangenen Jahr nach Westafrika schicken zu wollen: in das Camp amerikanischer Wissenschaftler im Senegal. Vergeblich! Niemand der Primatologen hatte für ihn Zeit. bild der wissenschaft bleibt dran, und eines Tages wird es klappen mit einer Menschenaffenreportage aus dem natürlichen Umfeld der Tiere.
Ohne bdw-Auftrag ist Klaus Wilhelm deshalb nicht. In dieser Ausgabe berichtet der vielseitige Journalist über revolutionäre Erkenntnisse der Entzündungsforschung. Für den Herbst fest verabredet ist ein Beitrag über die Rolle von Bodenbakterien beim Klimawandel. Insgesamt listet unser Archiv 17 Beiträge des Autors Klaus Wilhelm auf, im vergangenen Jahr beispielsweise über Russen, die im Grübeln anderen überlegen sind, und über lebensverlängernde Effekte von Diäten. Wilhelm hat nicht nur eine große Bandbreite als Journalist, sondern sieht sich auch als Geschäftsmann: „Ich stamme aus einer Kaufmannsfamilie, weshalb ich ganz genau überlege, welches Thema in welchen Magazinen oder Formaten die besten Chancen hat, angenommen zu werden.” Dieses „ Kaufmanns-Gen” drängt Wilhelm, im medizinischen Bereich PR-Aufträge anzunehmen, um finanziell unabhängiger zu sein: „ Allerdings nur in solchen Bereichen, über die ich journalistisch nicht berichte.” Übrigens: Biologie studiert hat Wilhelm, weil er nach dem Abitur der Meinung war, zu wenig Ahnung von Naturwissenschaften zu haben. Mit seinem Diplom in Biologie, das er 19xx mit der Gesamtnote 1 erhielt, hatte er sein Ziel eindrucksvoll erreicht.
Wie kommen Sie auf Ihre Themen?
Durch Literaturrecherche und Kongressbesuche, wobei sich idealerweise Studien aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu einem Thema fügen. Manchmal auch durch Unterhaltungen mit Freunden.
Welchen Wissenschaftler bewundern Sie?
Michael Tomasello: Weil er es geschafft hat, mit artgerechten Experimenten dem auf die Spur zu kommen, was – psychologisch gesehen – den Menschen zum Menschen macht und ihn von den Menschenaffen unterscheidet. Jane Goodall: Zu ihr muss man nicht viel sagen. Und Jaak Panksepp, der schon lange davon ausgeht, dass wir mit Tieren ein primäres, auf Emotionen basierendes Bewusstsein teilen, das in evolutionsgeschichtlich uralten Hirnregionen verankert ist.
Wo und wann veröffentlichten Sie Ihren ersten honorierten Artikel?
1985 in der Lokalausgabe Eschwege der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen. Es ging um die Vorstellung einer amerikanischen Austauschschülerin.
Warum lesen Sie trotz Internet noch Zeitungen und Zeitschriften?
Erstens: Der Bildschirm ermüdet mich relativ rasch. Zweitens: aus nostalgischen Gründen. Drittens: wegen der Haptik. Und viertens glaube ich, dass die Informationen aus Zeitungen und Zeitschriften tiefer in mein Gehirn dringen.
Ecken Sie mit Ihren Themen an?
Manchmal, wenn mir etwas ziemlich am Herzen liegt. Zum Beispiel wenn es um die angebliche Epidemie von ADHS bei Kindern geht.
Was bringt Sie am Wissenschaftsbetrieb auf die Palme?
Hypes, die durch viel Fantasie und wenige Ergebnisse befeuert sind. Beispiele: Gentherapie, die Entzifferung des Genoms, Stammzellen.
Was ist Ihr populärwissenschaftliches Lieblingsbuch?
Alle Bücher von Antonio Damasio.
Glauben Sie, dass der freie Wille wichtig für den Menschen ist?
Immer wieder erstaunt es mich, wenn Leute behaupten, der freie Wille habe keine Bedeutung für uns. Mag sein, dass viele unserer Entscheidungen maßgeblich vom Unbewussten beeinflusst und getroffen werden und dass das Bewusstsein die Entscheidung nur absegnet. Aber wäre das Verhalten des Menschen in diesem Sinne komplett determiniert, müsste er in vergleichbaren Situationen immer ähnlich reagieren. Das trifft nicht zu. Und unser Verhalten müsste stets zu 100 Prozent vorhersehbar sein. Das konnte noch niemand beweisen. Ich bin überzeugt: Unser Verhalten ist nicht determiniert. Wir haben die Wahl. wh





