Sie kommt aus einem Land, in dem nicht einmal jede fünfte Frau lesen und schreiben kann. Khadidjatou Fall hingegen gehört zweifellos zur weiblichen Elite im Senegal. Sie ist Professorin für Germanistik in Dakar, sie schreibt Romane in französischer Sprache, und als Ministerin kümmerte sie sich um die politischen Belange ihres Landes. Bereits als Fall in Dakar das Gymnasium besuchte, wollte die heute 54-Jährige mehr über die Deutschen erfahren. So studierte sie Geschichte, Germanistik und Literaturwissenschaft in Toulouse und war regelmäßig zu Gast in Deutschland. 1979 bekam sie ihren Magister an der Universität in Dakar und promovierte 1983 in Straßburg, um anschließend als Dozentin für Deutsch in Dakar zu unterrichten. Was ihr nun noch fehlte, war der Professorentitel: Sie bekam einen Ruf von der Universität in Hannover, wo sie sich 1994 habilitierte. Anschließend übernahm sie die Leitung der Deutschabteilung an der Universität in Dakar. Als Ende der neunziger Jahre im Senegal die föderalistische Partei AFP gegründet wurde, entdeckte Fall ihr Interesse für die Politik und wurde von 1999 bis 2001 Ministerin für Dezentralisierung und Raumordnung. Doch ihre Liebe zur Wissenschaft war größer als ihr politischer Ehrgeiz. Fall ging zurück in den Universitätsbetrieb und beschäftigt sich seither mit der Kommunikation zwischen den Kulturen und den Problemen in literarischen Übersetzungen. Für dieses Wintersemester wurde sie nach Hannover eingeladen, um dort als Gastprofessorin im Rahmen der Georg-Forster-Professur über die Schwierigkeiten und Chancen im interkulturellen Austausch zu referieren.
Hans Groth




