Mädchen und Jungen sind verschieden – aber was ist biologisch, was kulturell bedingt? Darüber streiten sich die Gelehrten schon länger. Nun hat die bekannte Neurowissenschaftlerin Lise Eliot (Autorin des Bestsellers „Was geht da drinnen vor?”) ein spannendes Buch über das Thema geschrieben, das das verbreitete Halbwissen gründlich hinterfragt. So hört man häufig, dass die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften bei Frauen dicker sei als bei Männern. Diese Aussage basiert auf einer Studie aus dem Jahr 1982, die zwar große Aufmerksamkeit erregte, aber: Nur eine Handvoll Männer und Frauen waren dabei untersucht worden. Völlig unbeachtet blieb dagegen ein Fachartikel einige Jahre später, in dem 50 ähnliche Studien geprüft wurden. Die Autoren kamen zu dem unpopulären Schluss, dass sich Frauen und Männer im Allgemeinen nicht in diesem Punkt unterscheiden. Eliot berichtet über den aktuellen Stand der Forschung – oft ausgehend von Erlebnissen mit ihren eigenen drei Kindern – und zeigt, wie gute Studien sich von weniger soliden unterscheiden lassen.
Sie ist überzeugt: Die Gehirne von Mädchen und Jungen sind bei der Geburt überraschend ähnlich, doch durch unterschiedliche Rollenvorbilder und Beschäftigungsangebote entstehen im Lauf der Jahre immer größere Unterschiede bei Vorlieben, Fertigkeiten und Verhalten. Eliot plädiert daher für einen undogmatischen Erziehungsstil und gibt praktische Ratschläge, wie man mit den spezifischen Problemen von Mädchen und Jungen am besten umgeht. Ein Buch für Eltern, Lehrer und alle, die diesem Thema auf den Grund gehen wollen. Antonia Rötger
Lise Eliot WIE VERSCHIEDEN SIND SIE? Berlin Verlag, Berlin 2010 605 S., € 26,– ISBN 978–3–8270–0572–4




