Ungewöhnlicher Blick in die Geschichte: Einem Wissenschaftler zufolge gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen dem typischen Schicksal römischer Kaiser und der statistischen Zuverlässigkeit von technischen Geräten. Demnach entsprach das Risiko der Herrscher, während ihrer Regierungszeit einen gewaltsamen Tod zu sterben, dem zeitlichen Verlauf der Versagens-Wahrscheinlichkeit von elektronischen Bauteilen und anderen technischen Systemen.
Sie besaßen gewaltige Macht und schwelgten im Luxus, doch dafür zahlten die römischen Kaiser einen hohen Preis – sie mussten stets um ihr Leben fürchten, wie eine Bilanz verdeutlicht: Von den 69 Herrschern der klassischen römischen Kaiserzeit starben 43 eines gewaltsamen Todes – meist wurden sie ermordet. Diese Schicksale betrachten Historiker in der Regel einzeln, denn stets gab es im Verlauf der rund 400 Jahre spezielle geschichtliche Umstände im Zusammenhang mit diesen unnatürlichen Todesfällen. Joseph Saleh vom Georgia Institute of Technology in Atlant ist nun hingegen der Frage nachgegangen, ob übergeordnete Muster erkennbar sind. Konkret: Lassen sich statistische Auffälligkeiten bei der Dauer der Herrschaft der Kaiser feststellen, bevor sie gewaltsam ums Leben kamen?
Übergeordneten Mustern auf der Spur
Wie er berichtet, zeichneten sich bei der Auswertung der Daten zu den 43 tragisch geendeten Kaisern tatsächlich Tendenzen ab: Demnach war das Risiko für einen Mordanschlag im ersten Regierungsjahr besonders hoch – danach nahm es deutlich ab und stabilisierte sich. Doch wenn ein Kaiser dann für längere Zeit an der Macht blieb, wurde die Lage wieder brenzliger: Nach etwa zwölf Jahren stieg das Risiko, eines gewaltsamen Todes zu sterben, erneut deutlich an, geht aus der Statistik hervor. Bei der grafischen Darstellung des Todesrisikos in Abhängigkeit von der Regierungszeit bildet sich somit eine Kurve in der Form einer Wanne, verdeutlicht Saleh.
Dabei kommt nun der überraschende Aspekt ins Spiel: Dem Wissenschaftler zufolge sind ähnliche Zusammenhänge aus dem Ingenieurwesen bekannt. “In der Technik wird die Zuverlässigkeit eines Geräts oder eines Bauteils als die Wahrscheinlichkeit definiert, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt noch betriebsbereit ist“, sagt Saleh. “Die durchschnittliche Dauer bis zum Versagen einer solchen Einheit wird dabei als ‘Zeit bis zum Ausfall’ bezeichnet. Dies entspricht der ‘Zeit bis zum gewaltsamen Tod’ bei den römischen Kaisern“, erklärt der Wissenschaftler.
Was Kaiser mit Technik verbindet
Analog zum Todesrisiko der Kaiser liegt bei den technischen Geräten anfangs ebenfalls eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit vor, sagt Saleh. Das liegt daran, dass sie von Anfang an eine wichtige Schwachstelle aufweisen können – wie etwa eine brüchige elektronische Verbindung, die dann früh zum Versagen führt. Dies könnte den Wissenschaftler zufolge den ungünstigen persönlichen Merkmalen oder kritischen Anfangsumständen im Fall der Kaiser entsprechen. Diese Faktoren führten möglicherweise dazu, dass zu Beginn der Herrschaft vergleichsweise viele Gegner Mordabsichten entwickelten und auch erfolgreich umsetzen konnten.





