Das Stichwort ?Pheromone? brachte Marianne Holtkötter zum Plaudern über die Rolle der auch als ?Sexuallockstoffe? bekannten Substanzen beim Menschen: So haben Wissenschaftler festgestellt, dass Stripperinnen an ihren fruchtbaren Tagen mehr Trinkgeld bekamen als an den unfruchtbaren. Worauf gleich der Einwand kam: Liegt es wirklich an ihrem besonderen Geruch? Oder bewegen sich Frauen an ihren fruchtbaren Tagen anders?
Machtkampf unter Gorillas
Die Aufzuchtstation für junge Menschenaffen, eine Besonderheit der Wilhelma, steht derzeit leer: Es gibt gerade keine verwaisten oder von den Eltern verstoßenen Jungtiere in Europa, die von den erfahrenen Stuttgarter Pflegerinnen von Hand aufgepäppelt werden müssten. Die letzten drei Pfleglinge, die Gorillakinder Claudia, Monza und Upala, werden gerade in bestehende Gorillagruppen der Wilhelma integriert. Monza und Upala, zwei junge Männchen, leben jetzt in einer Junggesellengruppe, wo sie sich erst eingewöhnen mussten. Für Monza, der aus Frankreich stammt, keine ganz leichte Aufgabe: Vom eigenen Vater als Baby misshandelt, dann von Menschen statt von Gorillas erzogen, machte er anfangs Ärger. Er gab sich gegenüber den Älteren und Größeren allzu selbstbewusst und nervte sie durch ständiges Provozieren. Ein solch unangemessenes Verhalten wird von sozial erfahrenen Gorillamännern streng bestraft, in der Wilhelma blieb es beim Schubsen. ?Jungtiere haben ein weißes Haarbüschel am Hintern?, machte Holtkötter die bdw-Leser aufmerksam. Es verschafft ihnen eine gewisse Narrenfreiheit. Erst wenn diese Haare im Alter von etwa 5 Jahren verschwinden, müssen sich die Affen wie Erwachsene benehmen.
Die Reisegruppe blieb eine ganze Weile vor dem Bonobo-Gehege stehen, denn Holtkötter erzählte eine Anekdote nach der anderen aus dem Leben dieser Tiere, die uns verwandtschaftlich ähnlich nahe stehen wie die Schimpansen: Etwa wie Bonobo ?Kuni?, von Stuttgart in einen Zoo in England umgezogen, dort einen Spatz fing ? und ihn auf Bitten ihrer geliebten Pflegerin Betty wieder fliegen ließ. In Deutschland hatte sie Spatzen aufgefressen. Und Holtkötter berichtete von einer Bonobo-Gruppe, der die Pflegerin ein Fernsehgerät vor das Gehege gestellt hatte: Die Affen entwickelten rasch eine Vorliebe für Teletubbies und gruselten sich mit Wonne beim Science-Fiction-Klassiker ?Jurassic Park?. Dem Auftritt des T. Rex fieberten sie sogar regelrecht entgegen, versteckt hinter Plastikeimern.
Die Stuttgarter Wilhelma baut zurzeit eine neue Menschenaffenanlage. Im Haus wird es keine gefliesten Wände mehr geben, sondern Einstreu aus Pinienrinde und viel Grün. ?Heute sieht man, anders als vor 40 Jahren, nicht mehr Hygiene als das Hauptproblem der Haltung von Menschenaffen im Zoo, sondern die Gefahr, dass die Tiere sich langweilen?, sagt Marianne Holtkötter. Neben vielen anderen Beschäftigungsmöglichkeiten soll es daher auch einen Fernseher geben ? der selbstverständlich nur zu bestimmten Zeiten laufen wird und den Bonobos verschiedene Programme zur Auswahl bietet.
Für die Orang Utans, die ?Ausbrecherkönige? unter den großen Menschenaffen, müssen sich Architekten und Tierpfleger besonders clevere Gehegesicherungen ausdenken. Zudem sollen die Orang-Utan-Weibchen der Wilhelma in Zukunft vielleicht sogar die Verbindungsschieber zwischen den Gehegen selbst bedienen können, zum Beispiel durch Knopfdruck: So könnten sie wie in der Wildnis selbst bestimmen, mit welchem Typ von Mann sie sich paaren wollen. Die Männer mit den ausgeprägten Backenwülsten sind oft ziemlich grob, während die ohne Backenwülste meist freundlich und sanft sind. Marianne Holtkötter verspricht sich bessere Zuchterfolge davon, wenn die Damen die Wahl haben.





