Die beiden Artikel behandeln einen Ausschnitt des Themas Glaube und Wissen notwendigerweise stark gedrängt. Dadurch konnten einige wesentliche Punkte der Erforschung des Urchristentums und der Leben-Jesu-Forschung nicht oder kaum dargestellt werden. Das ist nicht zu beanstanden.
Bedenklich wäre es, wenn der Eindruck vermittelt werden sollte, wir verfügten über originäre Quellen. Es gibt keine Apostelbriefe und keine Evangelien, sondern lediglich deren mit sprachwissenschaftlichen Methoden rückgeschlossene Rekonstruktionen aus etwa 40 Fragmenten mit wenigen Buchstaben oder Worten, und aus einigen unvollständigen jüngeren Schriftbruchstücken. Das älteste Fragment stammt nach herrschender Meinung ungefähr aus dem Jahr 125.
Da das Christentum seine Glaubenslehre an die historische Existenz Jesu anbindet, setzt es sich der Notwendigkeit aus, den hinreichenden Nachweis zu erbringen, dass Jesus nicht nur gelebt, sondern auch das gelehrt hat, was als seine Lehre verkündet wird. Die Metaphysik des christlichen Glaubens gründet in der Realität. Der Glaube benötigt so viel Wirklichkeit, dass der Verstand ihn akzeptieren kann. Wer nicht überzeugt ist, dass Jesus gelebt und was er gelehrt hat, und dennoch Christ sein will, glaubt an einen Mythos. Das Christentum ist jedoch keine Mythologie. Ein Christentum eines mythischen Christus bräuchte keinen geschichtlichen Jesus.
Die Rekonstruktion des realen Lebens Jesu, die aus den späteren unterschiedlichen Darstellungen vorgenommen wird, führt aber nicht zur Wirklichkeit, sondern zu einem Mythos oder zu einer Legende. Darüber kann keine wie auch immer geartete Methodik der Auslegung oder Rekonstruktion hinweghelfen. Zu allen Zeiten sind über das „wahre Leben Jesu” die abenteuerlichsten Geschichten verbreitet worden. Die Flut von Büchern hat bewirkt, dass viele Menschen sich ihr Bild von Jesus selbst zurechtmachen. Angesichts der Quellenlage gilt dies auch von jedem wissenschaftlichen Bild von Jesus oder Christus.
Kurt Kozian, Essen
Ich habe Ihr Dezemberheft mit großem Interesse gelesen. Insbesondere wurde ich angesprochen von den beiden Artikeln über das Christentum. Es kam ganz klar zum Ausdruck, dass die wissenschaftlichen Methoden und Werkzeuge hier versagen. Denn wenn es um Dinge des Glaubens und der Überzeugung geht sowie des persönlichen Erlebens, können althergebrachte wissenschaftliche Werkzeuge ganz einfach nicht funktionieren.
Deshalb möchte ich anregen, dass – sozusagen zur Abrun-dung – mindestens ein längerer Artikel erscheinen möge mit glaubensmäßigen Erfahrungen von einzelnen Personen, zum Beispiel Begegnungen mit Engeln und/oder Hilfe aus höchster Not. Die Wirklichkeit ist schließlich sehr viel größer als unser beschränktes Weltbild und der Skeptizismus. Wenn wir etwas nicht verstehen, bedeutet dies noch lange nicht, dass es nicht existiert, sondern es ist nur der Nachweis des wissenschaftlich-materialistischen Scheuklappendenkens.
Norbert Schulz, Dietingen
Wie in den Beiträgen ganz richtig angegeben, war Jesus natürlich nicht der Begründer des Christentums, aber eigentlich auch nicht Paulus. Der wahre Begründer des Christentums – absichtlich oder unabsichtlich – war Joseph von Arimathäa.
Laut biblischen Berichten war er ein wohlhabender Anhänger von Jesus und erwirkte von Pontius Pilatus die Genehmigung, Jesu Körper vorzeitig vom Kreuz abnehmen und in seiner eigenen in Fels gehauenen Gruft aufbahren zu dürfen, wo er dann – wie auch immer – verschwand. Das geheimnisvolle Verschwinden aus dem Grab diente den ersten Christen als Grundlage zu dem Mysterium der Wiederauferstehung Jesu von den Toten.
Dieses Mysterium war ein Grundpfeiler des neuen Glaubens. Sogar Paulus sagte (sinngemäß): „Wenn Jesus nicht auferstanden ist, wäre unser ganzer Glaube sinnlos!”
Klaus Juner, Herschberg
Die Idee der Menschenwürde und der Toleranz der jüdischen und christlichen Religion zuzuschreiben, so wie Jens Schröter dies tut – und die Aufklärung als einen säkularisierten Abglanz dieser zu bezeichnen –, halte ich für eine gewagte These. Ich behaupte, jede Religion mit einem unhinterfragbaren und unanzweifelbaren Gott ist faschistoider Struktur.
Menschenwürde und Toleranz sind ethische Kategorien eines demokratischen Gemeinwesens, und von Demokratie haben unsere antiken religionspolitischen Streiter aus dem Orient noch nicht die Spur einer Ahnung in sich getragen. Sie waren allenfalls Versorgungssozialisten, aber keine demokratischen.
Die Idee der Nächstenliebe ist gewiss ein revolutionäres Element in der Ethikentwicklung der Menschheit. Sie ist aber nicht Jesus’ Erfindung, man kann von ihr schon im Alten Testament und auch in den vedischen Schriften lesen. Und sie konnte erst ihre humane Entfaltung finden, als die (philosophischen) Aufklärer sie von der fiktiven Terrorgröße namens „Gott” befreiten, ihm (und den hinter ihm stehenden Regenten) die Macht entrissen und sie den Menschen gaben! Gisbert Zalich, per E-Mail
Bereits 1892 hat Martin Kähler einen Vortrag mit dem programmatischen Titel „Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus” gehalten. Seit dieser Zeit besteht die Diskussion, ob die Geschichte dem Glauben Grund gewährt.
1906 hat Albert Schweitzer in seiner „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung” nachgewiesen, dass alle sogenannten Leben-Jesu-Bücher den historischen Jesus nicht fassen, wohl aber die Ideale der Autoren und ihrer Zeit. Wie Jesus historisch war, wird Geheimnis bleiben. Die vielschichtige Kirche, die Paulus entscheidend mitgestaltet hat, hat das Verdienst – trotz aller berechtigten Kritik an ihr –, ununterbrochen auf diesen Jesus hingewiesen zu haben.
Karl-Georg Mix, Lübeck
KLONKUH USCHI UND IHRE SCHMACKHAFTEN ERBEN
Heft 11/2008
Nach ich weiß nicht wie vielen Jahren als Abonnent ist es nun an der Zeit für meinen ersten Leserbrief. Leider habe ich einen kleinen Fehler gefunden. In dem Artikel heißt es, dass Kühe Stroh malmen. Kühe mögen ja genügsame Futterverwerter sein, aber Stroh ist selbst ihnen zu minderwertig. Vermutlich haben sie Heu gefressen.
Manfred Forster, München
„DIE ERWÄRMUNG DER ERDE MACHT EINE KLEINE PAUSE”
Heft 9/2008
Ich frage mich schon lange, warum man immer solch einen dürftig belegten Katastrophen-Popanz aufblasen muss, wo doch die wahren Probleme harte Fakten sind. Abgesehen von Not und Krankheit auf der Welt ist jeder Fisch, der abgefischt wird, tot und verschwunden, jeder gerodete Baum ist tot und verschwunden, da braucht man kein Waldsterben aus dem Hut zu ziehen.
Auch die Klima-„Katastrophe” ist unnötig. Die Ressourcen sind endlich. Höchste Zeit, sich Alternativen auszudenken. Aber solange die Politik mit dem CO2-Finger winkt und den Bürgern statt Gas-und-Dampf-Kraftwerken mit hohem Wirkungsgrad und kohlenstoffarmem Brennstoff Dutzende Kohlekraftwerke vor den Latz knallt, ist Hopfen und Malz verloren.
Stefan Knöller, Karlsruhe





