Neurophilosophische Überlegungen zur Synästhesie
Dass Menschen aneinander vorbeireden, weil sie verschieden empfinden, kann man jeden Tag erleben. Sie haben unterschiedliche Sichtweisen und versuchen im besten Fall die subjektive Denkweise des Gegenübers zu verstehen. Schwierig wird es, wenn jemand außergewöhnlich wahrnimmt, etwa Buchstaben als Farben sieht beispielsweise das A als Grün oder das S als Gelb , und mit diesen Farben gute oder schlechte Gefühle verknüpft. Oder wenn jemand Töne, etwa die einer Geige, als braun von der Konsistenz eines Wollfadens beschreibt.
Solche Menschen sind nicht verrückt sie sind Synästhetiker, was wörtlich übersetzt Mitwahrnehmer bedeutet. Sie vermischen Sinnesqualitäten und leben dadurch in einer Eigenwelt, in die sich Normale nicht einfühlen können. Wissenschaftler sind fasziniert von Synästhetikern und ihrer Fähigkeit, verschiedene Wahrnehmungen auf frappierende Weise miteinander zu verbinden. Sie versprechen sich von der Erforschung des seltenen Phänomens (nur rund vier Prozent der Bevölkerung sind betroffen), die Arbeitsweise des Gehirns und das Zustandekommen von Bewusstsein besser zu verstehen. Die Synästhesieforschung ist ein Strauß spannender Beiträge aus Psychologie, Neurobiologie, Anthropologie und Philosophie.
Hinderk Emrich, Neurobiologe und Psychologe, vermittelt in seinem Hörbuch verständlich die Grundlagen, die Geschichte und die aktuellen Erkenntnisse der Synästhesieforschung. Die beiden Synästhetiker Manuela Lube und Matthias Waldeck ergänzen seine wissenschaftlichen Erläuterungen und geben Einblicke in fremd anmutende Wahrnehmungsbilder.
Claudia Eberhard-Metzger





