Der Meteorit, der den sibirischen Krater vor 3,5 Millionen Jahren geschlagen hat, war ein Achondrit. Davon geht der Wiener Geologe Christian Koeberl aus. Ein Achondrit, der aus magmatischem Gestein besteht, ist ein seltener Irrläufer: Nicht einmal jeder zehnte Brocken, der die Erde trifft, gehört zu diesem Typ.
Der Impakt-Spezialist Koeberl hat den Einschlag rekonstruiert. Die Ausdehnung des Kraters von 18 Kilometern gab einen Hinweis auf die freigewordene Energie und damit auch auf die Größe des Geschosses. Er schätzt den Durchmesser auf 1,2 bis 1,5 Kilometer. Es war nicht einfach, das Geschoss zu rekonstruieren, denn es ist kein einziges handfestes Stück übrig geblieben. Die Explosion zerfetzte es völlig, und die winzigen Partikel vermischten sich mit irdischem Gestein. Der abgelagerte Schutt, der sich inzwischen verfestigt hat, enthält oft nur etwa 0,1 Prozent des außerirdischen Materials. „Das ist wie das Salz in der Suppe”, sagt Koeberl. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Materialen, das irdische und außerirdische, aus magmatischem Gestein bestehen. Doch die fremden Partikel verraten sich etwa durch ihren hohen Gehalt an Platinmetallen und ein charakteristisches Isotopenverhältnis bestimmter Elemente.
Wie schnell der Meteorit ankam, lässt sich nur schätzen. Christian Koeberl geht von 20 Kilometern pro Sekunde aus. Der Winkel, in dem der Meteorit die Erde traf, bleibt verborgen. Denn der Krater, der bei einem solchen Einschlag entsteht, ist immer kreisrund. Man muss sich den Impakt wie die Explosion einer Wasserstoffbombe vorstellen, bei der die Energie fast punktförmig im Gestein ihr gewaltiges Potenzial entfaltet. Ein Meteorit dieser Größe trifft alle ein bis zwei Millionen Jahre die Erde. Die Auswirkungen in Sibirien waren gewaltig. Im Umkreis von 100 Kilometern war alles zerstört, und bis in eine Entfernung von 200 Kilometern überlebte wohl kaum ein Tier.




