“Die Internet lassen Menschen kommunizieren durch die ganze Welt.” Solches Kauderwelsch kommt heraus, wenn Computer übersetzen. Die Rechner übertragen Texte Wort für Wort, ohne den Sinn zu prüfen.
Wer das Informationsangebot des Internet richtig nutzen will, muß Englisch beherrschen. Rund 80 Prozent der Seiten im Netz sind in dieser Sprache abgefaßt. Den Rest teilen sich Deutsch, Französisch, Spanisch und seit neuestem auch Chinesisch. Milliarden von Menschen sprechen aber keine dieser Sprachen und sind so vom elektronischen Informationsfluß abgeschnitten.
Das wollen die Vereinten Nationen ändern. Deshalb haben sie im April 1996 ein Forschungsprogramm aufgelegt, das innerhalb von zehn Jahren eine Vision verwirklichen soll: die Universal Networking Language (UNL). Hinter diesem Begriff steckt keine Kunstsprache wie Esperanto, für UNL muß niemand Vokabeln oder Grammatik pauken – diese Sprache wirkt im verborgenen. Beispiel: Ein Deutscher erstellt eine Internet-Seite oder eine E-Mail-Nachricht, die ein Russe oder ein Ägypter in seiner Muttersprache lesen soll. Dazu überträgt der Deutsche die Originalnachricht mit einem speziellen Programm, dem sogenannten Encoder, in die Universalsprache UNL. Sie besteht aus drei Bausteinen: Universalwörtern, Beziehungen und Attributen. Übersetzt wird die Aussage eines Satzes, nicht das einzelne Wort.
Der Autor kann den Text jederzeit mit einem zweiten Programm, dem Decoder, zurückübersetzen und so kontrollieren, ob bei der Übertragung der Sinn verfälscht wurde. Das fertige Dokument veröffentlicht der Absender im Internet oder schickt es an den Empfänger. Der Betrachter benötigt nur den Decoder, der von UNL in die eigene Sprache dolmetscht.
“Der Vorteil gegenüber einer klassischen Übersetzung ist, daß nur der Informationsgehalt des Textes kodiert wird”, sagt Dr. Jörg Schütz vom Institut für Angewandte Informationsforschung an der Universität des Saarlandes. “Das schränkt zwar das Ausdrucksvermögen ein, erleichtert die Kommunikation jedoch erheblich.”
Schütz arbeitet seit 1997 mit seiner Arbeitsgruppe an den deutschen Übersetzungsprogrammen. Deutsch gehört zu dem Kreis der 16 Sprachen, die in der ersten Projektphase dabei sind. Neben den 6 offiziellen Arbeitssprachen der Vereinten Nationen – Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch – sind auch Hindi, Mongolisch und Suaheli vertreten. Das ehrgeizige Ziel: Im Jahr 2006 sollen 150 Weltsprachen in die Universalsprache UNL übersetzbar sein.
Die Fäden des weltweiten Forschungsprojekts laufen an der Universität der Vereinten Nationen in Tokio zusammen. Dort wurde UNL am Institute of Advanced Studies (IAS) erdacht und entwickelt. Jetzt koordinieren die Wissenschaftler in Japan die weltweiten Aktivitäten und testen die fertigen Programme. Der deutsche Beitrag aus Saarbrücken wird dort seit Beginn des Jahres auf Herz und Nieren geprüft. Wenn alles glatt geht, werden bald die ersten Internet-Seiten in UNL geschrieben. Die UNL-Programme sollen dann im Netz erhältlich sein.
Die Forscher glauben jedoch nicht, daß irgendwann einmal das ganze Internet nur noch die Universalsprache “spricht”. Da nur einzelne Informationen gedolmetscht werden, eignet sie sich vor allem für naturwissenschaftliche Texte, Produktbeschreibungen und Bedienungsanleitungen. “UNL ist nicht dafür gedacht, Poesie oder philosophische Texte zu übersetzen”, sagt Prof. Tarcirsio Della Senta, Direktor des IAS in Tokio. “Es kommt darauf an, denjenigen Sprachen und ethnischen Gruppen eine Stimme im Internet zu geben, die bis jetzt ausgeschlossen sind.”
Daniel Münter




