Irgendwann in der Evolutionsgeschichte unserer Vorfahren fing es an: Sie entwickelten nach und nach höhere kognitive Leistungen als alle andere Primaten. Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung steht nun ein Wesen, das so intelligent ist, dass es sich wiederum selbst fragen kann, woher diese Intelligenz denn eigentlich stammt. Genau das ist das Fachgebiet der beiden Kognitionswissenschaftler Steven Piantadosi und Celeste Kidd von der University of Rochester in New York.
Ihr nun vorgestelltes Modell zur Evolutionsgeschichte der Intelligenz besagt: Bei den Vorfahren des Menschen kam es irgendwann zu einer kritischen Vergrößerung des Gehirns und damit auch des Schädels von Föten während der Schwangerschaft. Um Geburtsproblematiken zu vermeiden, wurden die Kinder deshalb tendenziell immer früher geboren – in einer Schwangerschaftsphase, in der der Schädel noch relativ klein war. Damit war allerdings wiederum verbunden, dass diese Neugeborenen noch sehr wenig weit entwickelt waren und zum Überleben viel Betreuungsaufwand durch die Eltern benötigten.
Ein selbstverstärkender Evolutionsprozess
Die Herausforderungen, einen besonders hilflosen Säugling groß zu bekommen, erforderte bei den Eltern wiederum hohe Intelligenzleistungen. Piantadosi und Kidd zufolge schließt sich dadurch ein Kreis: Es gab durch die Anforderungen der Kinderbetreuung einen Selektionsdruck auf hohe Intelligenz, was zu einer weiteren Zunahme der Hirn- und damit Schädelgröße führte. Dadurch musste der Geburtstermin erneut weiter vorverlegt werden und so weiter. Es entstand also ein selbstverstärkender Kreislauf, der letztlich zu einer Zunahme der Intelligenz führte.
Die Forscher untermauern ihren Erklärungsansatz durch eine Untersuchung bei Primaten. Sie gingen der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen der Intelligenz einer jeweiligen Spezies und dem Entwicklungszustand ihrer Neugeborenen gibt. Als Merkmal des Betreuungsbedarfs beim Nachwuchs nutzten sie Informationen, wie lange die Jungtiere gestillt werden müssen. Das Niveau der Intelligenz der Primatenarten aus 23 Gattungen ging aus Ergebnissen bereits bekannter kognitiver Tests hervor. Piantadosi und Kidd zufolge zeichnete sich in den Auswertungen ab: Je länger die Stillzeit, desto höher sind die Intelligenzleistungen. Spitzenreiter sowohl bei der Stilldauer als auch bei der Intelligenz sind bei den Primaten Orang-Utan und Schimpanse, die für ihre vergleichsweise unreif geborenen Kinder bekannt sind.





