In der Biologie sind Inseln besonders bedeutsam für die Artenvielfalt. Viele Inseln bieten besondere ökologische Nischen und beherbergen dank ihrer Isolation vom Festland einzigartige Ökosysteme. Nicht umsonst waren es Expeditionen auf die Galapagos-Inseln, die Charles Darwin zu seinen Erkenntnissen über die Entstehung der Arten brachten. Für uns Menschen ist die geografische Isolation von Inseln längst keine Barriere mehr. Dennoch sind viele Inseln der Welt bis heute auch kulturelle Refugien.
13.100 Inseln und ihre Sprachen im Blick
„Wir waren neugierig, warum Inseln einen so großen Teil der weltweiten Sprachenvielfalt beherbergen“, sagt Lindell Bromham von der Australian National University in Canberra. Um dieser Frage nachzugehen, erstellte sie gemeinsam mit einem Team eine Datenbank mit 1.197 Sprachen, die auf 13.100 bewohnten Inseln der Welt gesprochen werden. Als Insel zählten die Forschenden Landmassen mit einer Fläche von bis zu 11.000 Quadratkilometern. Das entspricht ungefähr der Fläche Jamaikas.
„Als wir die globale Datenbank analysierten, stellten wir fest, dass Inseln bei der Entstehung der Sprachenvielfalt eine ähnliche Rolle spielen wie bei der Artenvielfalt“, berichtet Bromham. „Unsere Ergebnisse liefern den quantitativen Nachweis, dass auf Inseln ein wesentlich größerer Anteil der Sprachen der Welt beheimatet ist, als aufgrund der Landfläche zu erwarten wäre.“ Während die Fläche der einbezogenen Inseln nur 0,71 Prozent der bewohnten Landmasse ausmacht, kommen 17 Prozent der weltweit gesprochenen Sprachen auf Inseln vor.
Endemische Sprachen
Nicht alle dieser Sprachen kommen exklusiv auf Inseln vor. „Viele Sprachen, die auf Inseln gesprochen werden, sind praktisch Erweiterungen des Sprachgebiets auf dem Festland“, erklären die Forschenden. „So wird beispielsweise Schwedisch auf vier Prozent der bewohnten Inseln der Welt gesprochen, aber die meisten Menschen, die Schwedisch sprechen, leben auf dem europäischen Festland.“ Etwa zehn Prozent der Sprachen sind jedoch auf Inseln endemisch, das heißt sie werden fast ausschließlich auf Inseln gesprochen.
Weitere Analysen enthüllten, dass diese Inselsprachen andere Evolutionsmuster aufweisen als Sprachen, die üblicherweise auf dem Festland gesprochen werden. „Sprachen, die überwiegend auf Inseln gesprochen werden, haben deutlich weniger Phoneme, die grundlegenden Lauteinheiten, aus denen Wörter gebildet werden“, sagt Bromham. Der Grund dafür könnte darin liegen, dass in kleinen Populationen von Sprechenden nach und nach Phoneme verloren gehen. Auch die Isolation von Nachbarsprachen sowie weitere Prozesse könnten den Forschenden zufolge eine Rolle spielen.





