Forschungsergebnisse seien öffentlich oft schwer zu vermitteln, beklagen Wissenschaftler. Wissenschaftsjournalisten stehen also vor der Aufgabe, ihre Beiträge so zu schreiben, daß selbst komplizierteste Sachverhalte einsichtig werden. Gefordert sind dabei nicht nur die Fertigkeiten der treffenden Wortwahl und des Weglassens nebensächlicher Aspekte. Eine verständliche Story fußt vor allem im Artikelaufbau. Ein bemerkenswertes Beispiel bietet Carola Hanisch mit dem Beitrag “Die Hedgehogs bauen ein Baby – wie Signalmoleküle die Entwicklung steuern” (Seiten 73 bis 74). Ihre geschickte Informationsvermittlung basiert auf einem fiktiven Dialog, den werdende Eltern miteinander über die Ausbildung menschlicher Organe führen. Zugute kam der Autorin, daß ihr Mann Entwicklungsbiologe ist.
Am 14. Mai 1948 rief der Nationalrat der Juden den unabhängigen Staat Israel aus. Mit Stolz blicken seine Bürger in diesen Tagen auf ein halbes Jahrhundert Geschichte zurück, in dem das Land vielen Gefährdungen getrotzt und sich mit Nachdruck behauptet hat. Das gilt auch für die Wissenschaft, wie der Bericht über “Forscher im Garten Eden” (ab Seite 40) zeigt. Die unkonventionellen Wege dokumentiert unser Autor Jochen Wegner am Beispiel des Weizmann-Instituts, das er im Auftrag von bild der wissenschaft besucht hat. Selbst dort, an einer der angesehensten Forschungsstätten der Welt, ist die staatliche Finanzierung spärlich bemessen: 160 Millionen Mark aus Steuermitteln stehen den 2400 Mitarbeitern insgesamt pro Jahr zur Verfügung. Zum Vergleich: Der öffentlich finanzierte Forschungsetat allein des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik Garching/Greifswald liegt in diesem Jahr bei 260 Millionen Mark. Zupackende israelische Forscher, die mehr Geld haben wollen, versuchen deshalb schon immer, die Wirtschaft durch Ideen oder Dienstleistungen als Finanzier zu gewinnen. “Sich vermarkten” hat dort offenbar nicht den Hautgout, den so mancher wohlbestallte deutsche Professor stets zu riechen bereit ist. Freilich: Auch die israelische Öffentlichkeit urteilt anders über die Wissenschaft als der Schnitt der Bundesbürger. “Wissen und seine Anwendung werden hierzulande als Tugenden hoch geschätzt”, erklärt Orna Berry, Chefwissenschaftlerin im Ministerium für Industrie und Handel. Nicht verwunderlich, daß sich Israel – trotz der allgegenwärtigen Finanzprobleme – prozentual mehr als doppelt so viele Wissenschaftler und Ingenieure wie Deutschland leistet.
Ein Forschungszweig, der sich gern über mangelnde staatliche Zuwendungen beklagt, ist die Photovoltaik. Hätte die Bundesrepublik auch nur annähernd so viel Geld in die Entwicklung von Solarzellen gesteckt wie in die Kernenergie, wäre Sonnenstrom längst konkurrenzfähig, lautet das wohlfeile Argument. Ich bin mir nicht sicher. Immerhin floß in die Photovoltaik seit 1975 weit mehr als eine Milliarde Mark allein aus dem Bundesetat. Doch keine ans Stromverbundnetz angeschlossene Solarzelle produziert konkurrenz-fähig Elektrizität. Dennoch werden Journalisten nicht müde, über hoffnungsvolle Verfahren zu berichten. Auch wir nicht. Ab Seite 32 stellt bdw-Redakteur Thorwald Ewe sogenannte CIS-Zellen vor. Stromkosten von weniger als 50 Pfennig pro Kilowattstunde sind bei einer eingespielten Massenproduktion möglich, erklärt ein verantwortlicher Wissenschaftler. Warten wir’s ab. Unserer Nachfrage können Sie sicher sein.
Wolfgang Hess





