Singvögel erkennen ihr Nest am spezifischen Geruch und können es so nach einem „Ausflug” wiederfinden. Das wissen Biologen schon lange, unklar war aber bisher, ob diese Fähigkeit angeboren oder erlernt ist. Tobias Krause und Barbara Caspers von der Universität Bielefeld sind überzeugt: Die Tiere erlernen den Nestgeruch.
Die Verhaltensforscher hatten für ihre Studie mit Zebrafinken experimentiert: Sie legten die Eier der biologischen Eltern in fremde Nester. Die Zieheltern brüteten die Gelege aus und fütterten die Jungtiere. Als diese flügge waren, testeten die Forscher, welchen Nestgeruch die Jungtiere bei der Rückkehr bevorzugten: den der leiblichen Eltern oder den der Pflegeeltern. Ergebnis: Die jungen Zebrafinken entschieden sich eindeutig für ihre „Kinderstube”. Die Wissenschaftler sehen das als klaren Beweis für das Erlernen des heimischen Geruchs.
Krause und Caspers vermuten, dass die Fähigkeit, das Nest über den Geruchssinn zu finden, nicht nur der Orientierung dient. Da Singvögel bekanntlich versuchen, Inzucht zu vermeiden, sei es durchaus möglich, „dass die Information über den Familiengeruch auch genutzt wird, um später bei der Suche nach einem geeigneten Partner Verwandte von Nicht-Verwandten zu unterscheiden”.




