Die Zeit scheint im höheren Lebensalter schneller zu vergehen. Tests ergaben, daß Menschen über 60 glauben, Ereignisse lägen viel weiter in der Vergangenheit, als es tatsächlich der Fall ist. Susan Crawley und Linda Pring vom Goldsmith College in London befragten Frauen und Männer zwischen 18 und 77, wann bekannte Ereignisse wie der Einmarsch Iraks in Kuweit (1990) oder die Explosion der Raumfähre Challenger (1986) stattgefunden hätten. Leute unter 60 konnten die Ereignisse erstaunlich genau datieren – mit einer leichten Tendenz, sie näher in die Gegenwart zu rükken. Ältere Menschen ab etwa 60 dagegen ordneten die Geschehnisse durchschnittlich zehn Prozent zu früh ein. Ereignisse zwischen 1977 und 1989 wurden beispielsweise um rund 15 Monate vorverlegt. Dabei waren die Erinnerungen genauso lebendig wie bei jüngeren Versuchspersonen. Crawley glaubt, daß die beschleunigte Zeitwahrnehmung mit der Wiederkehr von Ereignissen wie Geburtstagen und Urlaub zu tun hat. „Jedes Jahr werden sie vertrauter. Damit scheint es stets, als wären sie gerade erst geschehen. Und wenn die Zeit so rasch an einem vorbeifließt, wird die Zeit, die seit einem einzigartigen Ereignis verstrichen ist, leicht überschätzt.”
Rüdiger Vaas




