Geht es um die Geschlechtsentwicklung bei Ungeborenen, ist meist nur vom Wirken des Testosterons die Rede. Denn zu diesem frühen Zeitpunkt spielen die weiblichen Sexualhormone (Östrogen und Gestagen) für die Gehirnentwicklung von Mädchen und Jungen noch keine Rolle. Dabei befindet sich das Ungeborene in einer durch und durch weiblichen Umgebung – das Blut der Mutter steht mit dem seinen über die Plazenta in engem Kontakt. Allerdings sorgt das Enzym Alpha-Fetoprotein dafür, dass die mütterlichen Sexualhormone im kindlichen Körper sofort abgefangen werden. Im Verbund mit ihrem Begleit-Protein dringen sie nicht durch die Blut-Hirn-Schranke und erreichen deshalb das junge Gehirn nicht.
Anders das Testosteron aus den winzigen Hoden eines männlichen Fötus. Es gelangt in sein Gehirn und wird dort – so kompliziert ist die Natur – erst einmal in Östrogen umgewandelt, genauer gesagt: in Östradiol, eine Unterform des Weiblichkeitshormons. In dieser Form verrichtet es seine Umbaumaßnahmen an den Nervenzellen.




