Viele Aspekte der Entwicklungsgeschichte des Menschen sind noch immer unklar – doch über einen Punkt besteht unter den Anthropologen weitgehend Einigkeit: Der moderne Mensch ist in Afrika entstanden und hat sich später auf der Welt ausgebreitet. Bei einer detaillierteren Betrachtung der Ursprungsregion tauchen allerdings erneut Fragezeichen auf: Die fossilen Funde verweisen eher auf eine ostafrikanische Ursprungsregion des Homo sapiens, während genetische Analysen darauf schließen lassen, dass unsere Vorfahren im südlichen Afrika entstanden sind. Das Zeitfenster wird grob auf 300.000 bis 200.000 Jahren vor unserer Zeit eingeschätzt. In diesem Zusammenhang haben 300.000 Jahre alte Funde in Marokko in den letzten Jahren für wissenschaftliche Diskussionen gesorgt, denn sie wurden dem modernen Menschen zugeordnet.
Menschheitsgeschichte im Spiegel mitochondrialer DNA
Die Forscher um Vanessa Hayes vom Garvan Institute of Medical Research in Sydney sind dem Ursprung des modernen Menschen nun erneut durch einen genetischen Ansatz auf den Grund gegangen. Sie untersuchten dazu genetisches Material von heutigen Menschen Afrikas einschließlich von Jägern und Sammler im südlichen Afrika, die Khoisan-Sprachen mit Klick-Lauten sprechen. Im Fokus stand dabei das Erbgut der Kraftwerke der Zellen – der Mitochondrien. Im Gegensatz zu der DNA der Zellkerne ist diese sogenannte mtDNA nicht von der genetischen Durchmischung bei der Entstehung eines Kindes betroffen. Denn Mitochondrien werden stets aus dem Plasma der mütterlichen Eizelle an die nächste Generation weitergegeben. Durch Analysen der mtDNA lässt sich somit die Abstammung der mütterlichen Linien von menschlichen Bevölkerungen zurückverfolgen.
Da diese DNA eine bestimmte Mutationsrate aufweist, sind zudem Rückschlüsse darauf möglich, wann es zu Populationsentwicklungen gekommen ist. “Mitochondriales Erbgut ist wie eine Zeitkapsel und akkumuliert Veränderungen über Generationen hinweg. Der Vergleich der mtDNA verschiedener Individuen kann dadurch Informationen über Populationsentwicklungen geben”, erklärt Hayes.
Es ist in diesem Zusammenhang bereits bekannt, dass bestimmte Volksgruppen im südlichen Afrika die ältesten bekannten mtDNA-Linien besitzen. “Wir haben nun 198 neue mitochondriale Genome in die aktuelle Datenbank der frühesten bekannten Population des modernen Menschen, integriert. Dadurch konnten wir den Stammbaum unserer frühesten Ahnen detaillierter darstellen als je zuvor”, sagt die Co-Autorin Eva Chan vom Garvan Institute of Medical Research. Diese Ergebnisse kombinierten die Forscher zudem mit sprachlichen, kulturellen und geografischen Informationen der verschiedenen Bevölkerungslinien in Afrika.





