Auf den grauen Asphaltflächen der Flughäfen wird es immer enger. Ausbaupläne für Start- und Landebahnen stoßen meist auf heftigen Widerstand von Anwohnern und Naturschützern. Forscher aus neun EU-Ländern wollen das Dilemma im Rahmen des EU-Projekts NICETRIP (Novel Innovative Competitive Effective Tilt Rotor Project) lösen und entwickeln dazu gemeinsam ein Passagierflugzeug, das senkrecht starten und landen kann – und damit von jedem Hubschrauberstart- und -landeplatz aus.
Das ungewöhnliche „Kipprotorflugzeug” ist ein Mix aus Hubschrauber und Flugzeug. An beiden Flügeln sitzen Propeller mit meterlangen Rotorblättern, die sich bei Start und Landung senkrecht stellen und dann über den Flügeln rotieren. Auf Flughöhe kippen die Propeller nach vorne und treiben das Flugzeug vorwärts. Varianten des Hubschrauberflugzeug-Hybrids gibt es bereits. So ist das Militär-Kipprotorflugzeug „Bell-Boeing CV22-Osprey” schon seit einigen Jahren in den Krisengebieten der Welt unterwegs, und der Neunsitzer „Bell Agusta 609″ – ausgelegt für Militär- und Staatseinsätze – absolviert gerade Flugtests zur Zertifizierung.
Die Passagiermaschine der NICETRIP-Forscher soll Platz für 22 Passagiere haben, 10 Tonnen schwer und 650 Kilometer pro Stunde schnell sein. Sie existiert aber bisher nur virtuell und als kleinwagengroßes Modell. „Architektur und technische Spezifizierung stehen”, sagt Alessandro Stabellini vom englisch-italienischen Hubschrauberhersteller AgustaWestland, der das Projekt leitet. Zurzeit konzentrieren sich die Wissenschaftler vor allem auf Windkanal- und Rotortests. In zehn Jahren wollen sie einen ersten Prototyp präsentieren. Unklar ist allerdings, wer den Erstling bauen wird – denn die Kosten dafür liegen im zweistelligen Millionenbereich.




