Unscheinbar, weißgrau und irgendwie schmutzig wirken sie, doch was sie zeigen, ist himmlisch: Bis zum Zeitalter der Digitalfotografie fertigten Observatorien Fotoplatten an, die den Sternenhimmel als Negativ zeigten. Sie lagern zu tausenden in den Archiven – die ältesten Exemplare stammen dabei aus der Pionierzeit der modernen Astronomie. Diese Abbildungen des Sternenhimmels sind aber nicht nur aus historischer Sicht interessant – sie besitzen wissenschaftliches Potenzial. Denn sie können stellare Veränderungen über mehrere Jahrzehnte hinweg dokumentieren und damit wichtige Einblicke in die Geheimnisse der Sterne ermöglichen. Doch für die moderne Astronomie, die auf digitaler Datenverarbeitung beruht, sind die Informationen aus den Fotoplatten nur schwer zugänglich.
Archivschätze für die Astronomie aufbereitet
Um dies zu ändern, hat ein Forscherteam im Jahr 2012 das Projekt Archives of Photographic Plates for Astronomical USE, kurz „APPLAUSE“ ins Leben gerufen: In mehreren Schritten haben die Wissenschaftler die Aufnahmen aus den Archiven verschiedener Partnerinstitute aus den Jahren 1893 bis 1998 digitalisiert. Sie wurden dann mit den Details zur Aufnahme wie Datum, Himmelsabschnitt und Aufnahmeort katalogisiert. Vor allem kann APPLAUSE damit aufzeigen, dass eine bestimmte Aufnahme überhaupt existiert und sie Interessierten online zugänglich machen. Wie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) berichtet, ist das Projekt nach entscheidenden weiteren Zugängen nun abgeschlossen und zu einer enormen Fundgrube für die Astronomie herangewachsen: Insgesamt über 94.000 Fotoplatten aus Observatorien in Deutschland, Estland und dem Vatikan sind nun digitalisiert.
Und das bedeutet mehr als nur abfotografiert: Der Forschungsverbund hat eine Software entwickelt, die künstliche Intelligenz nutzt, um Fehler auf den Platten wie Kratzer oder Staub zu beseitigen und die Aufnahmen zu kalibrieren sowie Himmelskoordinaten zuzuordnen. Erst durch diese Aufbereitung werden die Informationen wissenschaftlich vergleichbar, erklären die Wissenschaftler. Außerdem hat das Team in Handarbeit teils vorhandene Beobachtungsnotizen und Logbücher transkribiert und digital erfasst. Dank dieser Informationen können die historischen Daten für wissenschaftliche Studien verwendet und zum Beispiel Umgebungsparameter wie Temperatur und Beobachtungsqualität in die Datenauswertung einbezogen werden. Zudem illustrieren die Scans der Beobachtungslogbücher die einstige astronomische Arbeitsweise und sind somit auch für Historiker interessant.





