Bei kognitiven Fähigkeiten wie Lesen, Rechnen oder Sprachen lernen kommt es viel auf frühe Förderung und Übung an. Kinder, die lesen oder rechnen lernen und dranbleiben, können ihre Lese- oder Mathekompetenz dadurch mit der Zeit aktiv verbessern. Förderlich sind hierbei auch Faktoren wie der sozioökonomische Status, der eine gute Ausbildung wahrscheinlicher macht. Bei mathematischen Fähigkeiten bringt Übung aber manchmal kaum oder gar keine Verbesserung. Die Mathe-Kompetenz mancher Menschen stagniert von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter – egal, wie viel sie gefördert werden. Zwischen 24 und 29 Prozent der Erwachsenen in Industrieländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien verfügen daher über ähnliche mathematische Fähigkeiten wie Fünf- bis Siebenjährige oder liegen sogar darunter, zeigt ein OECD-Bericht von 2016.
„Bisher haben sich die meisten Bemühungen um eine bessere Bildung auf die Veränderung des Lernumfelds konzentriert – die Ausbildung von Lehrern, die Neugestaltung von Lehrplänen – während die Neurobiologie der Lernenden weitgehend übersehen wurde“, sagt Seniorautor Roi Cohen Kadosh von der University of Surrey in Großbritannien. „Zahlreiche Forschungsergebnisse haben jedoch gezeigt, dass biologische Faktoren die Bildungsergebnisse in Mathematik oft stärker erklären als umweltbedingte.“ Demnach hängen die individuellen Mathe-Leistungen auch mit angeborenen neurobiologischen Gehirneigenschaften zusammen, die sich nicht durch Unterricht oder Nachhilfe verändern lassen.

Bessere Mathe-Kompetenz dank starken neuronalen Verknüpfungen
Welche Hirneigenschaften das genau sind, haben nun Forschende um Kadosh und Erstautor George Zacharopoulos von der University of Oxford untersucht. Dafür ließen sie 72 Testpersonen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren fünf Tage lang Matheaufgaben bearbeiten, die entweder das methodische Berechnen oder starre Auswendiglernen einer Lösung erforderten. Währenddessen analysierten die Neurowissenschaftler per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) deren Hirnaktivität – genauer gesagt: die Stärke der neuronalen Verbindungen zwischen Gehirnregionen, die mit dem Erlernen von Mathematik verbunden sind.





