Geplatzte Träume
Nimm dies, Schurke! Und dies! Und dies! Mit gesträubter Feder sticht Hilmar Schmundt auf die aufgeblasenen Götzenbilder der Fortschrittsgläubigen ein, bis sie platzen. Keines schont er, der wackere Redakteur aus dem Wissenschaftsressort des “Spiegel” – die bemannte Raumfahrt nicht und nicht den rührseligen Cyberquatsch, weder das dämonische Virenkomplott noch die Heilsversprechungen aus der Gen-Bastelstube. Nebenbei fällt ein eher unschuldiges Betriebssystem wie Linux dem Wüterich zum Opfer.
Seine Methode ist bewährt, aber immer wieder herzerfrischend. Man nehme einen nicht mehr ganz taufrischen, aber noch topmodischen Wissenschafts- oder Technologiezweig, rekapituliere ausgiebig die (An-)Sprüche seiner Protagonisten und messe sie am belämmerten Status quo. Leicht nachvollziehbar ist es da an Beispielen wie Internet-Hype oder New Economy, welch peinliche Abgründe sich zwischen Schwärmerei und Gegenwart auftun, von der Zukunft ganz zu schweigen.
Der schon immer kritische Leser sieht sich aufs Schönste bestätigt und badet wohlig in Schadenfreude angesichts der zahllosen Prophetenleichen, die des Autors Schreibtisch pflastern – trefflich hingemeuchelt mit opulentem Detailwissen, das amüsant aufbereitet und dennoch in die großen Zusammenhänge fugenlos eingebunden ist. Eine hübsche Lektion zum Thema: Hinterher kann man alles besser wissen. Aber auch das haben wir ja schon immer gewusst.
Hans Schmidt




