Bezeichnungen wie Hexenschuß und Albdruck verweisen noch heute auf Aberglauben und Magie in der mittelalterlichen Medizin. Dabei waren die Heilerfolge damals oft beachtlich, die Kenntnisse überraschend.
Das Buch des Bamberger Historikers Wolfgang F. Reddig beschreibt die Entwicklung der abendländischen Medizin seit dem griechischen Arzt Galen (circa 129 bis 199 n.Chr.). Erst durch den arabischen Einfluß nach dem Jahr 1000 schlug sie den Weg zur modernen Wissenschaft ein.
Reddig schildert das Wirken der Heilkundigen, der studierten Ärzte wie der „weisen Frauen”, im sozialen und kulturellen Umfeld der mittelalterlichen Menschen. Dabei wird klar, daß die nicht akademisch gebildeten Heilerinnen kaum andere Methoden als die Ärzte anwandten, aber andere soziale Gruppen erreichten: etwa die ländliche Bevölkerung und natürlich die Frauen, denen sie als Gynäkologinnen Hilfe leisteten. Allerdings ist es heute kaum mehr möglich, deren Wirken verläßlich zurückzuverfolgen.
Reddig beschreibt Entstehung und Ausbreitung der großen Seuchen und rückt auch Leben und Werk der medizinkundigen Naturforscherin Hildegard von Bingen (etwa 1098 bis 1179) in den Blick. Das opulente und gut ausgewählte Bildmaterial macht den verständlich und teilweise spannend geschriebenen Band zu einem Augenschmaus.
Wolfgang F. ReddigBADER, MEDICUS UND WEISE FRAUWege und Erfolge der mittelalterlichen HeilkunstBattenberg, München 2001160 S. mit zahlreichen Abb., DM 39,90ISBN 3-89441-467-7
Michael Dallapiazza




