Harry O. Ruppe hatte schon immer eine große Vision: die bemannte Raumfahrt. Mit seinem Physikdiplom in der Tasche kam der Münchner 1958 seinem Traum einen großen Schritt näher. Er erhielt das verlockende Angebot, in den USA am US-Raumfahrtprogramm mitzuwirken. Im Future Projects Office, der Junior-Gruppe des Marshall Space Flight Center in Huntsville, lernte der junge Deutsche an der Seite des legendären Wernher von Braun die Grundlagen der Raumfahrtforschung kennen, um für seine späteren Aufgaben gerüstet zu sein: die Entwicklung besserer Raketen und Triebwerke. Die Amerikaner hatten Großes vor: Eine militärische Mondbasis sollte her, um im Kalten Krieg gegen die Russen zu bestehen. „Das Projekt ist zwar niemals über den Schreibtisch hinaus gekommen, hat aber die Grundlagen für den ersten Mondflug geliefert”, erinnert sich der heute 73-Jährige. Mit dem Mond allein wollte Ruppe sich nicht begnügen. Bereits in den sechziger Jahren träumte er von einer bemannten Mission zum Mars und machte sich daran, die Antriebe weiter zu optimieren. Doch er wusste auch, dass dieses Ziel nur schwer zu erreichen ist. Als sich deshalb 1966 in Deutschland auch Politiker für die Raumfahrt zu interessieren begannen, kehrte Ruppe in die Heimat zurück und übernahm den neu gegründeten Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München, wo er weiter der Entwicklung von Antrieben nachging. „Leider ist das Interesse an der bemannten Raumfahrten inzwischen stark zurückgegangen”, bedauert der Wissenschaftler. „Aber sollte man irgendwann Zeichen für intelligentes Leben in fernen Galaxien finden, wird sich das wieder ändern.”
Hans Groth




