Seit dem Frühjahr buhlt Microsoft mit der Xbox um die Gunst der Videospieler. Nun hat eine Gruppe von Computer-Freaks zum Angriff auf die Spielkonsole geblasen. Sie wollen die Xbox zu einem vollwertigen Rechner umrüsten, in dem das Betriebssystem Linux die Programme am Laufen hält. Ein anonymer Sponsor hat 200000 US-Dollar als Prämie dafür ausgelobt. Stichtag für die Preisverleihung ist der 31. Dezember. Die drei derzeit angebotenen Spielkonsolen – die Xbox, der Gamecube von Nintendo und die Play- station von Sony – sind zwar fast so leistungsfähig wie ein vollwertiger PC, ihre technischen Fähigkeiten werden aber kaum ausgeschöpft (bild der wissenschaft 7/2002, „Daddeln bis der Daumen dampft”). Auf der Xbox sorgt eine modifizierte Version von Windows 2000 als Betriebssystem dafür, dass ausschließlich durch Microsoft signierte Spielesoftware laufen kann. Durch die Installation von Linux wollen die Computerhacker erreichen, dass sich die Spielkonsole auch zum Abspielen von Audio- und Video-Dateien, zum Surfen im Internet und zum Arbeiten mit Bürosoftware nutzen lässt. Im August gelang den Hackern ein erster Erfolg: Sie konnten Linux als alternatives Betriebssystem auf der Xbox starten. Dazu muss die Xbox aufgeschraubt und umgebaut werden – wodurch die Garantie erlischt. Daher sind 100000 Dollar allein für die Entwicklung einer CD-ROM ausgesetzt, die es erlaubt, unsignierte Programme auszuführen – auch ohne an der Hardware Hand anlegen zu müssen. Schwierig wird für die Hacker die Nutzung des Online-Service der Xbox, mit dem Spieler künftig im Web gegeneinander antreten können. Er startet in den USA am 15. November. Ab März 2003 werden auch die Zocker in Europa über das Internet-Portal „Xbox live” loslegen können. Dann soll es möglich sein, via Internet zu prüfen, ob jemand eine modifizierte Konsole verwendet. Solche Spieler will Microsoft von allen Online-Aktivitäten ausschließen.
Ralf Butscher




