In diesem Beitrag setzen wir uns daher mit den Hintergründen auseinander und überlegen, was dies für Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten hat, ohne dass es den Käufern bewusst wird.
Die Verhaltensökonomie rund um Gutscheine zeigt, dass Verkaufsaktionen weit mehr als nur finanzielle Vorteile darstellen. Verkaufsaktionen profitieren gezielt von kognitiven Verzerrungen und umgehen das analytische Denken. Statt einer nüchternen Kostenabwägung wird das intuitive „System 1" nach Daniel Kahneman aktiviert.
Aus diesem Grund versagen klassische ökonomische Modelle, sobald Rabatte und Gutscheine ins Spiel kommen. Der wahrgenommene Wert eines Angebots löst sich vom objektiven Nutzen. Genau hier setzen die nachfolgenden Mechanismen an.
Was genau macht Gutscheine psychologisch wirksam?
Gutscheine sind daher so wirksam, auf den Menschen, weil sie auf dem Aushebeln rationaler Bewertungsprozesse basieren. Verhaltensökonom Dan Ariely demonstrierte dies in der Vergangenheit erfolgreich am sogenannten „Null-Preis-Effekt“. Die Nachfrage nach einem kostenlosen Produkt steigt überproportional, einfach weil es gratis ist und somit die Wahrnehmung der Konsumenten erhält, die Ware hätte einen höheren, intrinsischen Wert.
Ergänzend wirkt die Diskontierung, also bei der sofortigen Belohnung gegenüber zukünftigen Vorteilen klar bevorzugt zu werden. Ein 5-Euro-Gutschein zur sofortigen Einlösung wirkt auf Konsumenten anziehender, als die Aussicht auf einen deutlich höheren Rabatt in einigen Monaten. Da sofort einlösbare Gutscheine kognitive Unsicherheiten minimieren, fügen sie sich nahtlos in die Gegenwartspräferenz ein.
Wie funktioniert die sogenannte Verlustaversion bei Gutscheinen?
Schon als Kind erlebten wir den Schmerz, wenn ein Anderer plötzlich kommt und uns in unserer Aufmerksamkeit stört und uns etwas wegnimmt. Genau dieses Element punktet heute auch im Bereich der Konsumgesellschaft.
Ein Verlust wird in der Regel intensiver empfunden, als die Freude über einen vergleichbaren Gewinn. Dies wird von der Wissenschaft als Verlustaversion bezeichnet, durch die Forschung von Daniel Kahneman und Amos Tversky geprägt und bringt folgendes Resultat mit sich: Wer einen Gutschein erworben hat, der betrachtet ihn häufig bereits als Bestandteil des eigenen Vermögens.
Verfällt der Gutschein ungenutzt, interpretiert das Gehirn diesen Vorgang als realen finanziellen Verlust. Unternehmen verstärken diesen Effekt gezielt über den sogenannten „Endowed Progress Effect“, der einen künstlichen Fortschritt suggeriert. Ein Gutschein, der sich „bereits verdient" anfühlt, wird kaum ungenutzt liegen gelassen. Daher zeigen auch Studien, dass ein Stempelpass mit zwei geschenkten Vorab-Stempeln doppelt so häufig vollständig eingelöst wird. Die Beobachtung verdeutlicht, wie eng Verlustaversion und Bindungseffekt zusammenwirken.





