· Aus den Zellkernen weißer Blutkörperchen isolierte der Schweizer Friedrich Miescher 1869 eine phosphorhaltige Säure, die „Kern”- oder „Nukleinsäure”. Er vermutete, dass sie etwas mit der Vererbung zu tun hat.
· Der deutsche Physiologe Albrecht Kossel kam 1882 zu dem Ergebnis, dass „die Nukleinstoffe” dem Zellkern „wirklich eigentümlich” sind. Außer Phosphor, erkannte er, bestehen Nukleinsäuren aus Zuckermolekülen und vier Basen: Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Damit hatte er alle Bausteine des Moleküls beisammen, das heute als Desoxyribonukleinsäure (internationale Abkürzung: DNA) bezeichnet wird. Kossels Erkenntnis wurde 1910 mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt.
· Den Feinbau der DNA zu entschlüsseln, blieb einem amerikanisch-englischen Forscherpaar, James Watson und Francis Crick, vorbehalten: Sie erkannten 1953 die Doppelhelix-Struktur der Erbsubstanz.
· Die zweite Sorte von Nukleinsäuren, die Ribonukleinsäure (RNA), unterscheidet sich chemisch nur wenig von der DNA: Als Zuckerbaustein enthält die RNA nicht Desoxyribose, sondern Ribose und statt der Base Thymin die Base Uracil.
· Außerdem ist die DNA eine Doppelkette und die RNA in der Regel eine einfache Kette (Ausnahme: siRNA).
· Der wichtigste Unterschied besteht in der Funktion: Während die DNA das permanente Speichermedium für genetische Informationen ist, übernimmt die RNA vielfältige Spezial-Aufgaben in der Zelle.
· Sie kann genetische Informationen übertragen (mRNA = messenger-RNA oder Boten-RNA),
· beim Übersetzen der genetischen Information helfen (tRNA = transfer-RNA oder Überträger-RNA),
· das Ablesen der genetischen Information regulieren (siRNA = small interfering RNA)
· oder wie Enzyme Reaktionen katalysieren (rRNA = ribosomale RNA).




