Neutrinos entstehen bei Kernreaktionen, etwa im Zentrum der Sonne. Diese exotischen Elementarteilchen, die 1930 vorausgesagt und 1956 erstmals gemessen wurden, sind neutral. Und sie unterliegen nicht der elektromagnetischen Wechselwirkung, sondern nur der schwachen Kernkraft und der Gravitation. Deshalb können sie sogar die Erde mühelos durchdringen. Pro Sekunde passieren 66 Milliarden Sonnen-Neutrinos unbemerkt jeden Quadratzentimeter Haut eines Menschen. Nur sehr selten interagieren die geisterhaften Partikel mit Materie, sodass man sie messen kann.
Neutrinos kommen in drei Formen vor: Elektron-, Myon- und Tau-Neutrinos (mit ihren jeweiligen Antiteilchen). Sie sind gewissermaßen die Neffen des Elektrons und seiner massereicheren Geschwister namens Myon und Tauon. Lange galten Neutrinos als masselos wie die Photonen und entsprechend exakt lichtschnell. Doch seit einigen Jahren ist bekannt, dass sich die drei Sorten ineinander umwandeln können. Das bedeutet, dass die Neutrinos eine geringe Ruhemasse von höchstens ein paar Elektronenvolt haben müssen. Für die Entdeckung des Identitätswechsels wurde 2002 der Physik-Nobelpreis verliehen. Um die Umwandlung der verschiedenen Neutrino-Typen genauer zu erforschen, startete 2006 das OPERA-Experiment. Es kann erstmals nachweisen, wie sich Myon- in Tau-Neutrinos transformieren. Voriges Jahr wurde dabei der erste solche Identitätswechsel aufgespürt.
Unbekannt ist, ob es noch weitere und schwerere Neutrinos gibt – von Physikern „rechtshändig” oder „steril” genannt. Sie wären dann Teil der ominösen Dunklen Materie im Universum.




