Ein getoastetes Käse-Sandwich brachte bei einer Online-Versteigerung 28 000 Dollar. Denn im Muster der Röstung ließ sich ein Bild der Jungfrau Maria erkennen. Die absurde Auktion wurde durch eine Eigenart unseres Gehirns möglich: Es entdeckt überall Gesichter – in Wolken, Felsformationen, Steckdosen, Möbelstücken oder eben Lebensmitteln. Auf einem berühmt gewordenen Kartoffelchip soll das Antlitz von Elvis Presley zu sehen gewesen sein.
Die Evolution hat diese Fähigkeit nicht zufällig entstehen lassen. Am Gesicht können wir erkennen, wohin jemand blickt und welche Gefühle ihn bewegen. Das ist nützlich, denn Menschen leben seit jeher in Gruppen zusammen – und da ist es sinnvoll, Freund und Feind schnell unterscheiden zu können. Das gilt ebenso für tierische Feinde mit Gesichtern, wie der Psychologe David Navon von der University of Haifa erklärt: „Ein Urmensch hätte es teuer bezahlt, wenn er ein Paar leuchtender Punkte in der Dunkelheit nicht als Augen eines Raubtiers erkannt, sondern für zwei Glühwürmchen gehalten hätte.”
Schon 170 Millisekunden, nachdem wir ein Gesicht erblickt haben, wird im Gehirn eine spezielle Struktur aktiv, die sogenannte fusiforme Gesichtsregion. Sie reagiert auf alles, was auch nur entfernt wie ein Gesicht aussieht. Diese Reaktionsfreudigkeit hat Nouchine Hadjikhani von der Harvard Medical School 2009 entdeckt, als sie die Gehirnströme von Probanden auswertete.




