„Thraker” ist ein Sammelbegriff für zahlreiche Stämme im Nordosten der Balkanhalbinsel (siehe Karte S. 70). Antike Quellen zählen 90 Stämme auf, die hier nebeneinander oder nacheinander seit dem vierten Jahrtausend vor Christus siedelten. Homer berichtete in seiner „Ilias” über die Thraker als Verbündete Trojas, er nennt Stämme und deren Anführer. Bekannte Thraker sind der mythische König Orpheus und der Gladiator Spartakus, der Anführer des berühmten Sklavenaufstands im Römischen Reich.
Seit dem fünften Jahrhundert vor Christus entstanden im heutigen Bulgarien und Nordgriechenland eigenständige Königreiche. Aus dieser Zeit sind große steinerne Grabanlagen mit prächtigen Wandmalereien und Skulpturenschmuck erhalten sowie Gold und Silber en masse: Gefäße, Schmuck, Kränze, Waffen, Rüstungen. Nicht zuletzt die viele Jahrtausende zurückreichenden Kultanlagen auf dem heiligen Berg Perperikon im Rhodopen-Gebirge belegen: Die aus der Antike überlieferte und bis heute tradierte Vorstellung von Kulturzentren im Süden der Ägäis und auf den Inseln sowie von rückständigen Zivilisationen in den Wäldern und Gebirgen des Nordens lassen sich nicht mehr halten.
Da es kaum schriftliche Überlieferungen gibt, ist man auf archä-ologische Funde angewiesen, um etwas über Traditionen, Religion, Herrscher und die Gesellschaft der Thraker zu erfahren. Nur in wenigen römischen und griechischen Texten gibt es Hinweise auf ihre Geschichte. Der griechische Historiker Herodot (490 bis 425 v.Chr.) schrieb: „Die Thraker sind nach den Indern das größte Volk auf Erden.” Und: „Wenn sie ein Oberhaupt hätten oder einig wären, so wären sie unüberwindlich und meiner Meinung nach auch das mächtigste Volk. Aber das bringen sie nicht fertig.”




