Den meisten Bibliotheken aus alter Zeit fehlt das Wichtigste: die Bücher. In Griechenland schrieb man bereits in archaischer Zeit auf Papyrus. Das bastähnliche Geflecht hatte eine begrenzte Lebensdauer. Das gilt auch für das später verwendete Pergament: Tierhaut. Selbst als die Bibliotheken noch in Betrieb waren, mussten die Schreiber immer wieder Abschriften anfertigen.
Die berühmteste Bibliothek der Antike war die von Alexandria, die wenige Jahre nach der Stadtgründung 331 v.Chr. errichtet wurde. Nach dem Tod Alexanders des Großen, des Gründers von Alexandria, bekam sein Feldherr Ptolemaios I. Soter Ägypten zugeteilt. Er machte aus der Hauptstadt seines Landes nicht nur eine Handels-, sondern auch eine Kulturmetropole und errichtete ein Gelehrtenzentrum: das Mouseion. Darin war auch die Bibliothek untergebracht, die Hunderttausende von Buchrollen beherbergt haben soll. Man kennt heute weder die genaue Lage der Bibliothek noch Zeitpunkt und Ursache ihrer Zerstörung.
Eine große Bibliothek stand um 200 v.Chr. auch in Pergamon. Hier sollen rund 200 000 Buchrollen gelegen haben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden Ausgräber Ruinen der Bibliothek auf dem Burgberg von Pergamon. Sie entdeckten dort eine über drei Meter große Statue der Athena, der Göttin der Weisheit, die in der Antike häufig vor Bibliotheken stand. Die Statue sowie Teile des Mauerwerks sind im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen.
Eine von privater Hand gestiftete Bibliothek stand in Ephesos. Diese „Celsus-Bibliothek” hatte der römische Beamte Tiberius Iulius Aquila Celsus Polemaeanus zu Beginn des 2. Jahrhunderts n.Chr. zu Ehren seines Vaters bauen lassen. Sie soll bis zu 12 000 Buchrollen enthalten haben. 1906 legten Ausgräber das Gebäude frei. In den 1970er-Jahren wurde die Fassade der Bibliothek wieder aufgerichtet. Heute ist die Celsus-Bibliothek eines der bekanntesten antiken Monumente der Türkei.




